Schon im Dezember stieß ein Protest von Menschen, die in der Erstaufnahmestelle Suhl untergebracht sind, auf scheinbar taube Ohren. In ihrer Unterkunft gab es mehrere Covid19-Infektionen, aber kein Hygienekonzept. Letzte Nacht gab es wieder Ausschreitungen und ein Großaufgebot der Polizei, der Grund ist noch unklar.

Gestern Nacht kam es in der Suhler Erstaufnahmeeinrichtung erneut zu Ausschreitungen. Nach ersten Angaben der Polizei sei ein Streit zwischen Wachpersonal und Bewohner:innen eskaliert. Nach Erzählung der Polizei sollte der „Angreifer“ in Gewahrsam genommen werden, woraufhin sich weitere Bewohner:innen in den Konflikt einschalteten.

Im Laufe der Nacht wurden Scheiben und Türen zerstört, ein Mann soll einen Feuerlöscher auf dem Außengelände entleert haben. Die Polizei, die mit einem Großaufgebot anrückte, nahm insgesamt vier Bewohner:innen in Gewahrsam, sie verbrachten die Nacht in einer Zelle.

Noch immer kein Hygienekonzept

Erst im Dezember hatten Bewohner:innen protestiert. Im Zuge dessen kam es zu teils heftigen Auseinandersetzungen mit Polizist:innen. Der Grund war, dass mehrere Bewohner:innen positiv auf Covid19 getestet wurden. Die Heimleitung verhängte für 40 Bewohner:innen eine Quarantäne.

Eine Polizeisprecherin begründete die Ausschreitungen mit dem „mangelnden Verständnis für Quarantäneregeln“. Tatsächlich gibt es ein nicht von der Hand zu weisendes Problem in Suhl: Bis heute gibt es kein bestätigtes Hygienekonzept für die Erstaufnahmeeinrichtung. Eine eigentlich stillgelegte Geflüchteten-Unterkunft fungiert als Quarantäne-Einrichtung. Noch sind Heimleitung, Stadt und Gesundheitsämter in Gesprächen für ein umsetzbares Infektionsschutzkonzept.

Neues Landesamt soll Heimleitung übernehmen

Noch im Januar soll laut MDR Thüringen ein neues Landesamt die Verantwortung für die Erstaufnahme in Suhl übernehmen. Das Landesamt für Integration, Migration und Flüchtlinge müsste noch aufgebaut werden, noch im Januar soll eine entsprechende Kabinettsvorlage erarbeitet werden.


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