H&M will in Deutschland rund 800 Stellen streichen – 5 Prozent aller Beschäftigten sind damit zunächst ohne Arbeit. Ein Papier der Geschäftsführung identifiziert insbesondere junge Mütter für das Entlassungsprogramm. Auch die Parfümeriekette Douglas plant Schließungen, die vor allen Dingen arbeitende Frauen betreffen werden.

Jahrelang übertraf der schwedische H&M-Konzern sich jedes Jahr selbst mit seinen Umsätzen. Das Jahr 2018 bedeutete einen Bruch in der unternehmerischen Erfolgsgeschichte, denn der Umsatz brach plötzlich ein. Damit ging ein Strategiewechsel einher und der Fast-Fashion-Konzern setzte eine Digitalisierung durch, die seit dem Jahr 2018 bereits rund 3.000 Stellen kostete.

Durch diese Entwicklung hatte der Konzern bereits vor der Pandemie angekündigt, Filialen zu schließen. Die Pandemie habe den Konzern, wie andere Einzelhandelsketten auch, zusätzlich belastet. Aktuell sind wieder rund 800 Stellen in Deutschland in Gefahr – das sind etwa 5 Prozent der Mitarbeiter:innen. Laut Informationen eines Business Insider-Berichts betreffen die Entlassungen insbesondere junge Mütter. Da diese in der Regel unbezahlte Sorgearbeit erledigen müssen, sind sie eben nicht zu den umsatzstärksten Zeiten der Geschäfte im Einsatz.

„Freiwilligenprogramm“ statt Kündigung

Um die Anzahl image-gefährdender betriebsbedingter Kündigungen gering zu halten, hat der Konzern deshalb ein Freiwilligenprogramm entworfen: In den besonders umsatzschwachen Filialen sollen den Beschäftigten, die zu den umsatzschwächsten Zeiten arbeiten, Abfindungen angeboten werden. Business-Insider berichtet von dem ihm vorliegenden Entlassungskonzept: „Darin erwähnt die Geschäftsführung explizit Mitarbeiter, die sich noch in Elternzeit befinden, als prädestinierte Gruppe für das Programm. Diese Mitarbeiter sind zwar durch die Elternzeit vor Kündigung geschützt, einmal zurück am Arbeitsplatz können sie aber gekündigt werden.“

Eine von Business-Insider interviewte Betriebsrätin beschreibt die Wut unter den Arbeiter:innen und antwortet: „Wir wissen, dass in den Geschäften neue Technik eingeführt werden muss. Wir Mitarbeiter sind bereit zu lernen, uns fortzubilden. Wir wollen aber unseren Job im Zuge der Digitalisierung nicht verlieren. Wir wollen Technik vielmehr nutzen, damit wir die Kunden besser beraten können“.

Ähnliche Entwicklung bei Douglas

Ganz ähnlich gestaltet sich die Unternehmensentwicklung bei dem Kosmetik- und Parfümerie-Unternehmen Douglas. Auch hier brach der Umsatz der Filialen in den vergangenen Jahren mehr und mehr ein, wohingegen der Onlinehandel boomte. Im vergangenen Jahr steigerte Douglas seinen Umsatz im Onlinegeschäft um 40,6 Prozent auf rund 822 Millionen Euro. Die Beschäftigten bleiben dabei jedoch auf der Strecke.

Die Geschäftsführung von Douglas hat nun angekündigt, rund 500 der 2.400 Filialen in Europa schließen zu wollen. Allein in Deutschland betrifft das 600 Beschäftigte. Momentan verhandle das Management mit den Betriebsräten über Abfindungen.


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