Vor weniger Zeit geriet der Kölner Kardinal Woelki in Kritik, weil er die Veröffentlichung einer Studie zum Missbrauch in seinem Bistum verhinderte. Seitdem sind Termine zum Austritt aus der katholischen Kirche auf Wochen ausgebucht. Nun werden erste Zahlen aus einem neu beauftragten Gutachten bekannt, das im März veröffentlicht werden soll.

Bisher war die Rede von 135 Betroffenen, die zwischen 1946 und 2015 Missbrauch durch Geistliche im Erzbistum Köln erlebt haben. Der Spiegel berichtet nun vorab über eine Studie, die der Kardinal Rainer Maria Woelki neu in Auftrag gegeben hatte. Sie wurde vom Kölner Gutachter und Strafrechtler Prof. Dr. Björn Gercke erstellt. Der machte sich unter anderem als Verteidiger von Managern und Vorständen in „Cum-Ex-Verfahren“ einen Namen.

Gercke kündigte gegenüber der Kölnischen Rundschau an, „dass wir [Anm. d. Redaktion: die Gutachter:innen] Namen von Verantwortlichen und auch systematische Ursachen benennen werden, beides ohne Kompromisse im Rahmen des rechtlich Möglichen.“

Das vorherige Gutachten durch die Münchner Kanzlei „Westpfahl Spilker Wastl“ (WSW) war nicht veröffentlicht worden. Das sogenannte „Münchner Gutachten“ weise äußerungsrechtliche Mängel auf, wie etwa Spekulationen oder Schuldzuweisungen ohne Beweise. Das neue Gutachten aus Köln solle jedoch, so der Gutachter, weit umfangreicher sein und auch zu kritischeren Ergebnissen kommen als das aus München. Der „Fall O.“, der in den vergangenen Wochen traurige Berühmtheit erlangte, sei im Münchner Gutachten nicht beschrieben worden, im neuen schon.

Schon jetzt wurde öffentlich, dass die Zahlen der bekannten Betroffenen und Täter mit dem neuen Gutachten dramatisch höher ausfallen. Seit 1975 ist von 230 Beschuldigten und 270 Betroffenen die Rede, so der Kölner Stadt-Anzeiger. Wirklich aussagekräftig würden diese Zahlen jedoch erst im Sachzusammenhang.


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