Während das Umweltbundesamt sich gerade über ein Erreichen der Klimaschutzziele für das Jahr 2020 freut, geht es dem Klima und der Umwelt so schlecht wie noch nie zuvor. – Ein Kommentar von Stefan Pausitz

Stolz präsentiert die Umweltministerin, Svenja Schulze (SPD), den aktuellen Bericht zum Rückgang an Treibhausgas-Emissionen von 2020. Danach werden viele Zahlen genannt: 70 Millionen Tonnen weniger Treibhausgas-Emission als im Jahr 2019 (ein Minus von 8,7 Prozent). Von den 70 Millionen Tonnen ist ein Drittel auf den Lockdown während der Pandemie zurückzuführen. Demnach wurden knapp 25 Millionen Tonnen weniger durch den Lockdown in Deutschland ausgestoßen. Insgesamt produzierte Deutschland im Jahr 2020 knapp 739 Millionen Tonnen Treibhausgase.

Die Statistiken rücken und drücken…

Eigentlich ist das ein Grund zu feiern – für die Politiker:innen und für die Kapitalist:innen. Schließlich werde der Rückgang der Treibhausgase auf den „Ausbau erneuerbarer Energien und die CO2-Bepreisung“ zurückgeführt, meint Umweltbundesamt-Chef Dirk Messner. Das heißt, dass der Grundstein gelegt sei, dass große Unternehmen mit Sonnen- und Windenergie ihr Kapital erweitern können, während der/dem Steuerzahler:in weiterhin beim Tanken und Heizen das Geld aus der Tasche gezogen wird.

Ein weiterer Trost ist, dass zwar ein Drittel der eingesparten Treibhausgase ein Sondereffekt durch den Lockdown ist. Allerdings kommt hier eine weitere schlechte Nachricht zustande: während fast alle Menschen zu Hause bleiben mussten und das Privatleben und der Individualverkehr massiv heruntergefahren wurde, konnten prozentual lediglich 3,65% der Treibhausgase eingespart werden. An dieser Stelle wird noch einmal vollkommen klar, dass nicht die einzelne Person, sondern vor allem die großen Konzerne für den allergrößten Teil der Treibhausgase verantwortlich sind. Im gleichen Moment kann erneut hinterfragt werden, warum die CO2-Steuerlast von der Steuerzahler:in selbst kommen muss, anstatt durch die Profite der Konzerne finanziert zu werden.

Letztendlich muss allerdings unter dem Strich auch anerkannt werden, dass sich der Treibhausgasausstoß tatsächlich verringert hat. Doch auch hier macht Dirk Messner Eingeständnisse, dass ohne den Lockdown „Deutschland sein Klimaziel für 2020 verfehlt“ hätte. Das ist rückwirkend tatsächlich schön, aber kein wirklicher Grund zur Freude: wenn die Ziele, möglichst viele Menschen zu impfen, durchgesetzt sind, gibt es keinen Grund mehr, an einem Lockdown festzuhalten, was wiederum zu einem erneuten Überschreiten der Klimaziele führen wird. Zusätzlich zeigt sich, wie knapp die Klimaziele überhaupt eingehalten wurden und welch drastische Entwicklung dafür notwendig war.

…während unsere Umwelt stirbt

Auch in Deutschland machen sich die katastrophalen Auswirkungen von Umweltzerstörung und Klimawandel immer deutlicher bemerkbar. So geht es allein den deutschen Wäldern so schlecht wie nie zuvor: Monokulturen, Borkenkäfer, Dürre und Stürme machen dem Wald zu schaffen. Nur ein Fünftel der Bäume haben überhaupt noch eine intakte Krone. Jeden Monat hören wir, dass es wieder einmal der wärmste oder trockenste Monat seit Beginn der Wetteraufzeichnung war.


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