Nach einer Polizeikontrolle, bei der es zu Auseinandersetzungen kam, ist ein Jugendlicher in Polizeigewahrsam zusammengebrochen und anschließend gestorben. Die Gründe für seinen Tod sind noch unklar. Die Polizei spricht von einem „Unglücksfall“. In Sozialen Medien formiert sich Protest.

Am vergangenen Samstag ist der 19-jährige irakische Geflüchtete Qosay K. in einem Krankenhaus nach Auseinandersetzungen mit der Polizei verstorben. Was sind die Hintergründe? Dazu gibt es zwei Versionen.

Die offizielle lautet so: Nach Angaben der Polizei hatte es am Freitagabend eine Kontrolle von zwei Jugendlichen in einem Park in Delmenhorst (Niedersachsen) gegeben, die Drogen konsumiert hätten.

Nachdem sich die Zivilbeamt:innen erkenntlich gemacht hatten, habe einer der beiden jungen Menschen die Flucht ergriffen. Bei der Verfolgung kam es zu einer Auseinandersetzung. Dabei habe einer der Fliehenden einen Polizisten geschlagen. Daraufhin sei Pfefferspray gegen den 19-jährigen eingesetzt worden. Eine Behandlung durch herbeigerufene Rettungskräfte habe er abgelehnt, so die Polizei.

Danach habe eine Bereitschaftsrichterin eine Blutprobe angeordnet, woraufhin der Jugendliche in eine Gewahrsamszelle verbracht worden sei, um auf einen Arzt zu warten.

Per Videoüberwachung sei dabei beobachtet worden sei, wie der junge Mann zusammenbrach. Die Beamt:innen hätten Erste Hilfe geleistet und den Rettungsdienst gerufen. Dieser habe den Jugendlichen in ein Krankenhaus verbracht. Dort soll er am Samstag Abend verstorben sein. Die Polizei in Delmenhorst geht dabei von einem „Unglücksfall“ aus.

„Jetzt ist Qosay tot“

In den sozialen Medien hört man aber eine andere Geschichte. So sei laut dem Twitter-User @DeniDevih dem 19-jährigen Qosay Hilfe durch die bei der Kontrolle herbeigeholten Rettungskräfte verweigert und auf seine Bitte nach Wasser nicht eingegangen worden. Der User beruft sich dabei auf Zeugen, die vor Ort gewesen seien. Es sei außerdem bekannt, dass die Delmenhorster Polizei mit besonderer Gewalt gegen wehrhafte Jugendliche vorgehe.

Die Klärung der Todesumstände und der möglichen Schuld der Polizei Delmenhorst an diesem Fall übernimmt nun aus „Neutralitätsgründen“ die Polizeiinspektion Oldenburg-Stadt/Ammerland.


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