Dass die Pandemie bisherige Entwicklungen massiv verschärft, dürfte mittlerweile klar sein. Das gilt auch für das Auseinanderdriften von Arm und Reich. In Deutschland besitzt laut einem Bericht der Bundesregierung die ärmere Hälfte praktisch kein Vermögen.

Das zeigt ein Entwurf des neuen „Armuts- und Reichtumsberichts“, der derzeit im Arbeitsministerium vorbereitet wird und der Süddeutschen Zeitung vorliegt.

Die wichtigsten Ergebnisse im Überblick:

  • Geringeres Einkommen & Jobverlust in der Pandemie: Bis Ende August 2020 mussten bereits 15,5 Millionen Haushalte in Deutschland Einkommenseinbußen hinnehmen. Darunter zu leiden hatten laut dem Regierungsbericht vor allem „Gering- und Normalverdiener“. Wer eine geringere Qualifikation hat, habe ein größeres Risiko, seinen Job zu verlieren.
  • Geringe Aufstiegschancen: Der Bericht spricht davon, dass man kaum für den finanziellen Aufstieg von armen Menschen kämpfe. Er spricht von einer „verfestigten Lage“. Die Aufstiegschancen aus „Armut“, „Prekarität“ und der „Unteren Mitte“ seien „seit Beginn der 1990er – bis Anfang der 2000er-Jahre deutlich zurückgegangen, um seitdem auf niedrigem Niveau zu verbleiben.“
  • Niedriglohn: Laut der Analyse gilt immer noch gut jede fünfte Person in Deutschland (21,7 Prozent) als Niedriglöhner:in, obgleich der Mindestlohn ihre Lage etwas verbessert habe.
  • Massive Ungleichheit: Betrachtet man die Haushalte nach der Höhe des Vermögens, entfielen auf die Haushalte in der unteren Hälfte der gesamten Verteilung  nur rund 1 Prozent des gesamten Nettovermögens. Das bedeutet, dass 40 Millionen Menschen in Deutschland praktisch kein Vermögen haben. Umkehrt würden die vermögensstärksten 10 Prozent der Haushalte über die Hälfte des gesamten Nettovermögens auf sich vereinen, heißt es in dem Bericht.

Anja Piel, DGB-Vorstandsmitglied, kritisiert den Zustand, den die Ergebnisse offensichtlich machen und fordert zahlreiche Maßnahmen, vor allem: „den Niedriglohnsumpf auszutrocknen, die Tarifbindung zu stärken, sachgrundlose Befristungen abzuschaffen und Minijobs in Jobs mit Sozialversicherung zu verwandeln. Außerdem ist es Zeit für eine Vermögenssteuer, eine wirkungsvolle Erbschaftssteuer sowie die stärkere Besteuerung von Kapitalerträgen.“


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