Nach einem Schusswechsel des faschistischen Stadtrats der Partei „Pro Chemnitz“ in Sachsen jetzt ein Waffenskandal in Sachsen: Dieses Mal bei der sächsischen Polizei. 17 Polizist:innen sollen 7.000 Schuss Munition entwendet haben.

Gestern veranlasste die Staatsanwaltschaft Dresden Hausdurchsuchungen in den Diensträumen des Landeskriminalamts (LKA) und bei 17 beschuldigten Polizist:innen. Der Vorwurf: die Polizist:innen sollen insgesamt 7.000 Schuss Munition entwendet und sich über Dienstanweisungen hinweg gesetzt haben. Demzufolge leitete die Staatsanwaltschaft ein Verfahren wegen des Verstoßes gegen das Waffengesetz, gemeinschaftlichen Diebstahls und Bestechlichkeit ein.

Auf Grund dieser schwerwiegenden Vorwürfe wurde gegen vier Beschuldigte das Verbot der Führung ihrer Dienstgeschäfte ausgesprochen. Darüber hinaus erfolgte gegen alle Beschuldigten die Erteilung des Verbotes zum Betreten der Diensträume. Zudem wurden alle mutmaßlich Beteiligten mit sofortiger Wirkung aus dem Mobilen Einsatzkommando (MEK) in andere Bereiche umgesetzt. Gegen alle Betroffenen wurden neben dem Strafverfahren auch Disziplinarermittlungen eingeleitet.

Im Jahr 2018 sollen die 17 Beamt:innen gemeinsam die Munition gestohlen haben, um ein Schießtraining auf dem Schießstand des Waffenhändlers „Baltic Shooters“ zu veranstalten. 13 Personen gehören zum Mobilen Einsatzkommando der sächsischen Polizei, die in der Vergangenheit schon mit faschistischen Sitzbezügen in ihren Einsatzwagen auffielen. Nachdem die beschuldigten Polizist:innen das Training vorerst beantragt hatten, untersagte ihr Vorgesetzter das Schießtraining. Demzufolge setzten sich alle Polizist:innen bewusst darüber hinweg.

Schießstand „Baltic Shooters“

An Brisanz gewinnt die Thematik bei genauerer Betrachtung des Schießstands und des betreibenden Waffenhändlers von „Baltic Schooters“ in Güstrow (Mecklenburg-Vorpommern), der nicht zum ersten Mal im Mittelpunkt von Ermittlungen steht. Dem Inhaber Frank Thiel kündigte der Innenminister Lorenz Caffier (CDU) inzwischen den Vertrag zwischen der Polizei und dem Schießstand, obwohl er zuvor die Schirmherrschaft der Trainingseinheiten übernahm.

Auch Marko G., Mitglied des faschistischen „Nordkreuz“, soll hier trainiert und Munition gehortet haben. Insgesamt sollen Polizist:innen dort innerhalb von drei Tagen 40.000 Schuss bei einem internationalen Training verfeuert haben. Außerdem soll in einer Trainingseinheit das Rostocker NSU-Opfer, Mehmet Turgut, verächtlich gemacht worden sein. Und schließlich: bei den Trainingseinheiten trugen die Beamt:innen T-Shirts mit lachenden Totenköpfen und gekreuzten Maschinenpistolen.

Auch wenn der Inhaber Frank Thiele eine faschistische Gesinnung öffentlich bestreitet und sich nach eigenen Aussagen als „Bauernopfer“ sieht, ist dennoch klar, dass bei den Schießübungen des faschistischen Nordkreuz weitaus mehr Kontakte gepflegt wurden, als nur in internen Kreisen. Die internationalen Schießübungen und der Bezug zum Mobilen Einsatzkommando MEK aus Sachsen zeigen, wie groß die Vernetzung des faschistischen Netzwerks ist.


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