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Donnerstag, April 18, 2024
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    Armut: Jede:r Vierte in Deutschland kommt nur schwer über die Runden

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    Armut ist in Deutschland kein Randphänomen, sondern weit verbreitet. Fast 19 Millionen Menschen können sich keine unerwarteten Ausgaben leisten. Über 4 Millionen Menschen müssen beim Essen sparen. Arbeitslosengeld und Mindestlohn sind zu niedrig, kritisiert eine Politikerin.

    Mehr als jeder vierte Mensch in Deutschland im Alter ab 16 Jahren kommt nach einem Bericht der Saarbrücker Zeitung finanziell nur knapp über die Runden.

    So konnten sich im Jahr 2019 gut 27 Prozent dieser Altersgruppe keine unerwarteten Ausgaben in Höhe von 1.100 Euro leisten. Das waren rund 18,6 Millionen Menschen, schreibt das Blatt unter Berufung auf eine aktuelle Datenübersicht des Statistischen Bundsamts.

    Der Geldbetrag von 1.100 Euro entspricht dem seinerzeit statistisch maßgeblichen Schwellenwert bei der Armutsgefährdung in Deutschland.

    Fast 4,4 Millionen Personen mussten darüber hinaus beim Essen sparen. Sie konnten sich allenfalls nur jeden zweiten Tag eine vollwertige Mahlzeit leisten. Das waren 6,3 Prozent. Unter den Erwerbslosen hatte 2019 damit sogar fast jede:r Dritte (31,7 Prozent) ein Problem. Im Jahr davor waren es noch 30,3 Prozent.

    Arbeitslosengeld nicht armutsfest

    Hintergrund der aktuellen Entwicklungen dürfte auch ein niedriges Arbeitslosengeld sein. In der Wirtschaftskrise haben viele Menschen ihre Arbeit verloren. Offiziell waren im März 2,827 Millionen Menschen arbeitslos – etwa eine halbe Millionen mehr als noch vor einem Jahr. Lässt man statistische Tricks weg, sind es jedoch fast 800.000 mehr, also 3,6 Millionen Menschen.

    Hier reicht das Arbeitslosengeld oft nicht aus. Mehr als jede:r zweite Bezieher:in (56,1 Prozent) von Arbeitslosengeld I erhält weniger als 1.000 Euro im Monat – in Ostdeutschland sind es sogar zwei von drei Empfänger:innen. Die durchschnittliche Anspruchshöhe beim Arbeitslosengeld lag im Jahr 2020 bei 1.024 Euro. Im Westen waren es im Jahresschnitt 1.047 Euro, im Osten 937 Euro. Beim Arbeitslosengeld II sieht es noch schlechter aus. Seit Jahren klagen Sozialverbände über einen zu niedrigen Regelsatz.

    „Für viele erwerbslose Menschen ist das Arbeitslosengeld zu niedrig, um damit über die Runden kommen zu können“, erklärte Sabine Zimmermann gegenüber dem RND. Zudem sei der Mindestlohn viel zu niedrig, kritisierte die Linken-Politikerin.

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