Die dritte Corona-Welle hält Deutschland weiterhin in Schach. Deswegen macht die „Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft“ (GEW) einen Vorschlag: Bei anhaltend hohen Infektionszahlen sollen die Abiturprüfungen abgesagt und nur die Leistungen aus dem Unterricht bewertet werden. Es gibt Kritik von vielen Seiten.

Anders als bei den vorherigen Infektionswellen spielen Kinder und junge Erwachsene gerade eine besondere Rolle beim aktuellen Infektionsgeschehen: ihr Anteil an den Infektionen wird zunehmend größer. Jetzt hat sich die GEW zu Wort gemeldet: Sie spricht sich für Corona-konforme Durchführungen der Abiturprüfung aus. Allerdings sollten diese nur stattfinden, wenn die Pandemie in Deutschland nicht noch schlimmer werde. In diesem Fall sollten die Unterrichtsnoten zählen.

„Sollte das Infektionsgeschehen so dramatisch ansteigen, wie die dritte Welle in anderen europäischen Nachbarstaaten befürchten lässt, müssen die Länder flexibel reagieren und von Prüfungen absehen“, sagte GEW-Chefin Marlis Tepe gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland RND. „Dann könnten zum Beispiel die Leistungen aus dem Unterricht zur Grundlage der Notengebung gemacht werden.“

Kritik von Politik und Lehrerverbänden

Von Seiten der Politik steht das Ausfallenlassen der Prüfungen nicht zur Debatte. Die Präsidentin der Kultusministerkonferenz, Britta Ernst (SPD), sagte dazu, dass bereits im Januar darüber ein Beschluss verabschiedet worden sei. Dieser Beschluss würde einen angemessenen Rahmen für Einschränkungen im Sinne des Infektionsschutzes bieten.

Auch die Lehrerverbände wollen unter allen Umständen an den Prüfungen festhalten. Heinz-Peter Meidinger, der Chef des Deutschen Lehrerverbands (DL), erklärte in der Düsseldorfer Rheinischen Post, dass man kein besonderes Risiko in der aktuellen Lage sehen könne: „Die Abiturprüfungen konnten 2020 trotz ähnlich hoher Inzidenzen sicher und weitgehend problemlos durchgeführt werden. Die Ergebnisse sind ähnlich, sogar insgesamt leicht besser ausgefallen als die Jahre vorher“, so Meidinger.


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