Kinder sind besonders vom Krieg in Afghanistan betroffen. Neuen Zahlen zufolge waren 40 Prozent aller Opfer von Luftangriffen in Afghanistan Kinder.

Daten, die am Donnerstag von „Action on Armed Violence“ (AOAV) veröffentlicht wurden, besagen, dass von den 3.977 Todesfällen zwischen 2016 und 2020 fast 1.600 Kinder waren.

„Leider sind diese Zahlen keine Überraschung“, sagt Chris Nyamandi, Länderdirektor für Afghanistan bei „Save the Children International“: „Afghanistan ist seit Jahren das tödlichste Land für Kinder.“

Laut Daten der Hilfsmission der Vereinten Nationen in Afghanistan „UNAMA“ haben sich die Verluste durch Luftangriffe der internationalen Koalition von 247 im Jahr 2017 auf 757 im Jahr 2019 mehr als verdreifacht. Laut Nyamandi seien in den letzten 14 Jahren in Afghanistan jeden Tag fünf Kinder getötet oder verstümmelt worden.

„Das sind krasse Zahlen, wenn man merkt, dass es sich um Kinder mit Zukunft, Familien und Kinder handelt, die zur Schule gegangen sind und nur ihr Leben in Sicherheit leben wollten“, so Nyamandi.

2018 war das tödlichste Jahr

Iain Overton, Exekutivdirektor von Action on Armed Violence, berichtete, dass das US-Militär in den Jahren 2018-19 mehr Munition auf Afghanistan abgeworfen habe als auf dem Höhepunkt der Bombenangriffe im Jahr 2011 – eine Rate von mehr als 20 pro Tag. Solch ein schweres Bombardement führte zu dem tödlichsten Jahr der Luftangriffe für Kinder in Afghanistan, das jemals verzeichnet wurde.

Im Jahr 2018 gab es einen Anstieg von 85 Prozent gegenüber dem Vorjahr, was bedeutet, dass alle drei Tage vier Kinder ums Leben kamen. Die Mehrheit dieser Kinderopfer, 57 Prozent, wurde von US-geführten internationalen Streitkräften verursacht.

„Kinder in Afghanistan leben in ständiger Angst zu sterben oder zu sehen, wie geliebte Menschen getötet werden – entweder aus der Luft oder durch eine Bombe am Straßenrand“, sagt Nyamandi.

Jetzt bombardiert die afghanische Luftwaffe

Nachdem im März 2020 mit den Taliban ein Abkommen zur Beendigung des Krieges unterzeichnet worden war, reduzierten die Vereinigten Staaten von Amerika ihre Luftoperationen. Die US-Luftwaffe hat auch die Veröffentlichung monatlicher Flugbetriebsdaten in Afghanistan eingestellt, was vorher seit 2012 der Fall war. Seitdem sind keine öffentlich zugänglichen Zahlen zu Luftangriffen des US-Militärs verfügbar.

„Trotz der Tödlichkeit der Operationen der US-Luftwaffe in den letzten fünf Jahren besteht weiterhin Besorgnis über die künftige Bedrohung, die die afghanische Luftwaffe für die Zivilbevölkerung darstellt, wenn sie die Kontrolle über den Flugbetrieb übernimmt“, so Overton von AOAV.

Laut UNAMA hatten sich die zivilen Opfer infolge von Luftangriffen der afghanischen Luftwaffe in den ersten sechs Monaten des Jahres 2020 gegenüber dem gleichen Zeitraum im Jahr 2019 verdreifacht.

Overton stellte fest, dass die in den USA ausgebildete afghanische Luftwaffe nun die Führung bei Luftangriffen gegen wiederauflebende Taliban übernehmen werde: „Es ist klar, dass das Risiko für Zivilisten durch Luftwaffen bestehen bleibt und sich möglicherweise verschlechtern wird.“


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