Die Evangelische Kirche hatte vor acht Monaten einen „Betroffenenbeirat“ einberufen. Diesen löste sie nun schon wieder auf, gegen den Protest einiger Leidtragender. Sie werfen der Kirche vor, sich der Kritik und den Ansprüchen Betroffener entziehen zu wollen.

Der Betroffenenbeirat sollte ein Gremium sein, in dem einige Opfer von sexualisierter Gewalt im Kontext der Kirche am Aufklärungsprozess teilhaben. Er setzte sich zusammen aus 12 Personen, die selbst als Kind, Jugendliche oder Erwachsene Gewalt in Institutionen der Evangelischen Kirche erlebt haben oder aber Angehörige von Betroffenen sind.

Die Arbeit, die im Betroffenenbeirat geleistet würde, ginge weit über das Maß eines üblichen Ehrenamtes hinaus. Aus diesem Grund, so die offizielle Erklärung, habe die Evangelische Kirche den Betroffenenbeirat aufgelöst.

Die Opfer selbst sehen das mitunter ganz anders: „Wir lassen uns nicht auflösen“ ist eine Aussage in der Stellungnahme, die vier von zwölf Beirät:innen unterzeichnet haben. Ein Großteil der Mitglieder hat auch juristische Schritte gegen die Auflösung eingeleitet.

Zwar hat die Evangelische Kirche angekündigt, den Betroffenen weiterhin eine zentrale Rolle in den Aufarbeitungsprozessen zukommen zu lassen. Dennoch solle die Arbeit auch mittels interner Berater:innen neu ausgerichtet werden.

Unzufriedenheit mit der Aufklärungsarbeit

Dass der Beirat vollständig aufgelöst wurde, stellt für manche Betroffene nur die Spitze eines Eisbergs dar. Schon vorher sei die Evangelische Kirche dem Umfang ihrer Verpflichtungen nicht im erwarteten Maß nachgekommen.

So habe es bis zur jetzigen Auflösung des Beirats auch noch keine Standards dafür gegeben, Betroffenen die Prozesse der Aufklärung transparent zu machen.


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