Am gestrigen Tag gingen in Rom mehrere tausend schwarze Menschen auf die Straße, um für ihre Rechte zu kämpfen. Die sklavenähnlichen Arbeitsbedingungen und der strukturelle Rassismus zwangen sie auf die Straßen Roms und zum Streik.

Die Arbeiter:innen riefen am 18. Mai zum Streik und zur Demonstration auf. Ihr Anliegen ist es, dass ihre sklavenähnlichen Arbeitsbedingungen in Italien beendet werden. Sie wollen das öffentliche Bewusstsein stärken, um im gleichen Atemzug zu verdeutlichen, dass sie viele Menschen sind, die unter diesen miserablen Bedingungen leben und arbeiten müssen.

Die Gehälter mit einem Tageslohn um die 25 Euro lassen es nicht zu, dass eine arbeitende Person sich über Wasser halten kann. Im Gegenteil steht der Lohn in keinem Verhältnis zu den riesigen Profiten, welche die gesamte italienische Lebensmittelindustrie erwirtschaftet: Eine lange Wirtschaftskette, in der die „Invisibli“ (dt. die Unsichtbaren) die Verlierer:innen sind, hingegen alle Händler:innen und Großgrundbesitzer:innen profitieren.

Die Arbeit auf den Feldern ist unerträglich. Pandemiebedingte Abstände können nicht eingehalten werden. Bei einem Test von 40 Arbeiter:innen sind vierzehn positiv auf das Virus getestet worden. Die nächsten Krankenhäuser sind kilometerweit entfernt und mit dem geringen Lohn sowieso unerreichbar. Ebenso werden häufig Arbeitsunfälle auch nicht korrekt behandelt.

Forderungen nach besseren Arbeitsverhältnissen

Seit mehreren Jahren sind die Forderungen klar definiert, doch sie werden ignoriert. Einfache Forderungen, wie einen angepassten Lohn für die schwere Arbeit werden überhört. Es wird eine Reform der Agrar-Supermarkt-Ketten gefordert. Es soll Lebensmittelgiganten schwerer gemacht werden ausbeuterisch zu wirtschaften, um ein „ethisch gesundes Essen zu gewährleisten“. Außerdem wird gefordert, dass allen Invisibli ein auskömmliches Einkommen zusteht, damit sie sich nicht auf mafiöse Strukturen einlassen müssen.

Des weiteren sollen Aufenthaltsgenehmigungen die Arbeitsbedingungen verbessern. Diese Forderungen könnten sogar mit den Subventionen der Europäischen Union (EU) gefördert werden. Ebenso sollen geforderte Impfungen gegen die derzeitige Pandemie und darüber hinaus für besseren Schutz sorgen. Doch die italienische Regierung verschließt die Augen davor.

Die Politik reagiert mit Gleichgültigkeit

Schon vor Beginn der Demonstration entschied die römische Verwaltung, dass der Protest ein kurzer Protest werden soll. Die Demonstration durfte nicht, wie angemeldet auf der „Piazza della Repubblica“ starten. Sie wurde kurzfristig auf die „Piazza di Largo Argentina“ verschoben. Ziel des Protestes sollte der Palast in Montecitorio sein. In diesem Palast tagt das italienische Parlament.

Die Invisibli wollten an diesem Tag im Stadtbild präsent sein und zeigen, dass die strukturelle Ausbeutung von Migrant:innen weltweit ein gigantisches Problem ist. Doch der Streik und der Protest gegen Armut und Rassismus wurde behördlich gekürzt. Statt auf einer bedeutenden römischen Hauptstraße zu demonstrieren, durften die Protestierenden nur über Nebenstraßen zum Regierungspalast laufen.

Dennoch ließen sich die mit Bussen angereisten Arbeiter:innen nicht von den Behörden einschüchtern. Mit saisonalem Gemüse in ihren Händen, gelben Westen und Gewerkschaftsshirts (Lega Braccianti) erreichten sie lautstark und kämpferisch den Palast.


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