Prognosen zufolge verdoppelt sich die Zahl der Privatinsolvenzen in 2021. Die Pleitewelle werde sich noch bis ins Jahr 2022 hinein ziehen. Weniger Geld für Verbraucher:innen treibt die Abwärtsspirale an.

Nach einer Prognose des privaten Wirtschaftsinstituts „CRIF Bürgel GmbH“ ist die Anzahl der Privatinsolvenzen im ersten Quartal des Jahres sprunghaft angestiegen. Das Institut berechnete einen Anstieg von 56,5% mehr Privatinsolvenzen im Vergleich zum ersten Quartal 2020. Das kommt maßgeblich dadurch, dass die Bundesregierung über ein Jahr die Insolvenzpflicht ausgesetzt hatte. Somit konnten die Zahlen künstlich niedrig gehalten werden.

„Aktuell gehen wir von bis zu 110.000 Privatinsolvenzen und damit von einer Verdopplung der Zahlen in diesem Jahr aus“, sagt CRIF Bürgel-Geschäftsführer Dr. Frank Schlein. 2020 gab es insgesamt 56.324 private Insolvenzen in Deutschland. Dabei seien alle Bundesländer von der Pleitewelle betroffen.

Privatinsolvenzen nach Bundesländern

Mecklenburg-Vorpommern verzeichnet ein Plus von 86,7% mehr Privatinsolvenzen, gefolgt von Nordrhein-Westfalen mit 81,1% und Hamburg mit 77,5%. Mit nur 0,3% gab es mit Abstand den geringsten Zuwachs an Privatinsolvenzen in Sachsen-Anhalt. Darauf folgen Hessen (20,4%) und Brandenburg (32,1%).

Insgesamt trifft die aktuelle Krise die nördlichen Bundesländer härter als die südlichen. Die Privatinsolvenzen pro 100.000 Einwohner:innen im ersten Quartal 2021 sind im Norden wesentlich höher als im Süden: Während es in Bremen 76, in Hamburg 57 und in Niedersachen 52 sind, klagt Bayern über 26 Privatinsolvenzen pro 100.000 Einwohner:innen und Hessen über 29.

Der Bericht zeichnet ein düsteres Szenario für die Zukunft. Der Anstieg der Privatinsolvenzen werde sich bis ins Jahr 2022 ziehen. Dabei seien von der Krise auch viele Arbeiter:innen betroffen, die jetzt in Kurzarbeit geschickt wurden oder arbeitslos sind. Damit würden viele Menschen weniger Geld und Einkommen haben und ihre Kreditzahlungen nicht leisten können. Darüber hinaus können sie keine Waren kaufen und somit leide auch die Wirtschaft.

Schuldenfalle und Überschuldung

Dass sich private Haushalte verschulden, ist längst zur Normalität geworden. Das geht aber nur so lange gut, bis das Einkommen nicht mehr ausreicht, um die Schulden zu tilgen und die alltäglichen Ausgaben zu decken. Tritt dieser Fall ein, fällt bei Vielen der Lebensstandard rapide, um die Gläubiger:innen zu bedienen. Reicht auch das nicht mehr aus, spricht man von Überschuldung. Wenn kein Vergleich mit den Gläubiger:innen mehr möglich ist, kann man eine Privatinsolvenz beantragen, um nach – nunmehr nur noch 3 statt zuvor 5 Jahren mit stark eingeschränktem Einkommen – schuldenfrei zu sein.


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