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Dienstag, Juni 18, 2024
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    Zunehmende Armut geht Hand in Hand mit steigenden Mieten

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    Mehr als die Hälfte aller Haushalte in deutschen Großstädten lebt in zu kleinen oder zu teuren Wohnungen. Besonders für arme Haushalte wird die Miete damit zu einem großen Problem. Das zeigt eine neue Studie der Berliner Humboldt-Universität.

    Etwa 8,4 Millionen Haushalte gibt es in deutschen Großstädten. Bei rund der Hälfte davon, also über vier Millionen, geht mehr als ein Drittel des Verdienstes für die Miete drauf. Ein Viertel der Haushalte müsse sogar mindestens 40% des Einkommens für Warmmiete und Nebenkosten aufwenden, so die Studie der Humboldt-Universität. Knapp 12% aller Großstadthaushalte benötigen sogar mehr als die Hälfte ihres Einkommens für die Miete.

    Die Analyse basiert auf der Einschätzung, dass Brutto-Warmieten, also Mieten sowie Betriebs- und Heizkosten, von bis 30% des Haushaltseinkommens tragbar bzw. „leistbar“ sind. Alle Kosten die darüber liegen, führten zur starken Belastung der Haushalte „und verstärken insbesondere bei Mieter:innen mit geringen Einkommen das Armutsrisiko“.

    Für die Studie wertete man Mikrozensus-Daten für die Jahre 2006-2018 in den 77 größten Städten Deutschlands aus. Konkret sind es danach über 4,1 Millionen Mieter:innen, deren Wohnungskosten „die Grenzen der Leistbarkeit“ überschreiten. Im Jahr 2018 lebten insgesamt 4,4 Millionen Haushalte von Großstädten bzw. 53% der Mietenden in Wohnungen, die entweder zu klein oder zu teuer im Verhältnis zu ihrem Einkommen sind.

    Der „harte Kern“ der Wohnungsnot betreffe rund 18% aller Mieter:innenhaushalte in den Großstädten. Das Angebot an Wohnungen, die mehr als 15 Euro pro Quadratmeter brutto warm kosteten, ist seit 2006 um mehr als 535.000 Wohnungen gestiegen. Den Wissenschaftler:innen  zufolge würden unter anderem „eine Absenkung der Mietpreise“ oder eine „Erhöhung des Einkommens in einkommenschwachen Haushalten“ helfen.

    Noch jüngere Daten liefert das Statistische Bundesamt (Destatis): die Mitarbeiter:innen hatten die Belastung der Haushalte durch die Wohnkosten ebenfalls analysiert. Nach diese Daten lebten 2019 rund 11,4 Millionen Personen in Haushalten, die von den hohen Wohnungskosten nicht nur stark belastet, sondern überlastet waren. Eine Überbelastung sieht die Behörde, sobald ein Haushalt mehr als 40% des verfügbaren Einkommens für das Wohnen ausgibt, unabhängig davon, ob es sich dabei um Miete oder das Abbezahlen eines Kredits handelt.

    Im Untersuchungszeitraum der Humboldt-Studie verringerte sich die Mietbelastungsquote kaum von 31,2 Prozent auf 29,8 Prozent. „Von einer Entspannung ist die Wohnversorgungslage jedoch weit entfernt“, schreiben die Humboldt-Wissenschaftler:innen dazu, eine Ursache dafür wäre die ungleiche Einkommensverteilung in deutschen Großstädten.

    Dabei sei der Anteil der Haushalte unterhalb der Armutsgefährdungsgrenze – sie liegt bei weniger als 60% des Medianeinkommens – von 15,9 auf 17,5 Prozent gestiegen (2018). Zeitgleich gebe es mehr Haushalte in der höchsten Einkommenskategorie (über 140% des Medianeinkommens), der Anteil erhöhte sich von 24,4 auf 25,7%.

    In der ungerechten Wohnungsverteilung spielt das Einkommen zwar mit die größte Rolle, doch die Studie sieht auch die Benachteiligung von Menschen mit Migrationshintergrund auf dem Wohnungsmarkt: „So sind nach einer Dekomposition der Mietunterschiede zwischen Menschen mit und ohne Migrationshintergrund weiterhin 12 Prozent ungeklärt und somit wahrscheinlich auf Diskriminierung auf dem Mietmarkt zurückzuführen.“

    Am größten sind die Versorgungsdefizite in Berlin, Hamburg, München und Köln, wo selbst bei hypothetischer Optimalverteilung des Wohnraums jeweils zwischen 220.000 und knapp 65.000 bezahlbare Wohnungen fehlen.

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