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Mittwoch, April 17, 2024
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    Keine Impfung für die Armen?

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    Deutschland hat mehr Impfstoff zur Verfügung als viele andere Länder, trotzdem bleiben weiterhin Menschen auch hier auf der Strecke. Einer Umfrage zufolge handelt es sich dabei vor allem um Geringverdienende.

    In den letzten Wochen konnten in Deutschland deutliche Impffortschritte verzeichnet werden. So sind mindestens 47,5 Millionen Personen erstgeimpft, 33,2 Millionen haben sogar bereits die zweite Impfung erhalten. Trotzdem warten viele Menschen noch immer auf ihr Impfangebot und finden sich im Chaos um die Terminvergabe gar nicht mehr zurecht. Laut einer Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI), das zur gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung gehört, zählen zu diesen Menschen vor allem die Geringverdiener:innen.

    Im Juni 2021 gaben 71 Prozent der Besserverdienenden an, mindestens eine Impfdosis erhalten zu haben. Im Vergleich dazu waren es nur 49 Prozent der Befragten, die sich im untersten Fünftel der Lohnverteilung befinden, die mindestens ein Mal geimpft wurden. An der Studie nahmen rund 4.500 Beschäftigte teil.

    „Da in den Sommermonaten genügend Impfstoff zur Verfügung steht, müssen jetzt alle Bevölkerungsschichten einen niederschwelligen Zugang zu einer Impfung erhalten“, so Aline Zucco, Expertin für Verteilungsfragen am WSI. „Ein Impfangebot am Arbeitsplatz ist dafür ein wichtiger Baustein.“

    Laut der Umfrage scheinen die Menschen, die jetzt noch kein Impfangebot erhalten haben, ironischerweise genau diejenigen zu sein, die Anfang der Pandemie noch als Held:innen gefeiert wurden. Darunter fallen zum Beispiel Arbeiter:innen im Verkauf. Von ihnen haben nur rund 52% angegeben, bereits ein Mal geimpft worden zu sein.

    Nach der Coronavirus-Impfverordnung fallen die Beschäftigten im Lebensmitteleinzelhandel eigentlich in die Prioitätsgruppe 3. Aber “wegen der Aufhebung der Impfpriorisierung sind viele Beschäftigte nicht mehr zum Zuge gekommen. Jetzt finden sich etliche davon offenbar im Dschungel um die Terminvergabe nicht zurecht“, sagt Zucco.

    Doch auch der Anteil derer, die sich nicht impfen lassen möchten, ist unter den Geringverdienenden höher, wenn auch längst nicht so hoch, dass sich die niedrige Erstimpfungsquote der Geringverdiener:innen damit befriedigend erklären ließe. Von den Besserverdienenden, die an der Studie teilnahmen, möchten sich nur etwa 4 Prozent nicht impfen lassen. Unter den Geringverdiener:innen sind es rund 9 Prozent.

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