Am frühen Montagmorgen musste die Pride-Demonstration in der georgischen Hauptstadt Tiflis abgesagt werden. Im Vorfeld war es zu brutalen LGBTI+-feindlichen Angriffen durch Nationalist:innen und christliche Fundamentalist:innen gekommen.

Die Pride-Week sollte in Tiflis zwischen dem 1.-5. Juli stattfinden. Bereits bei der Auftakt-Filmvorführung gab es LGBTI+-feindliche Angriffe, und 20 Gegendemonstrant:innen wurden festgenommen.

Am Ende der Pride-Week, dem gestrigen 5. Juli, sollte die Pride-Demonstration durch die Innenstadt stattfinden. Bereits am frühen Montagmorgen versammelten sich Nationalist:innen und christliche Fundamentalist:innen vor dem georgischen Parlament und griffen die Stände von Oppositionsgruppen an. Sie attackierten ausgesucht TV-Crews, Reporter:innen und zerstörten das Material der Stände. Ein Mann fuhr dabei immer wieder gezielt mit einem Roller auf Journalist:innen zu.

Auch im weiteren Verlauf des Tages konnten die LGBTI+-feindlichen Gruppen ihre Angriffe – ungestört von der Polizei – fortsetzen. So griffen sie die Büros der Pride-Organisator:innen an und zerstörten zahlreiches Material. Bei den Angriffen wurden auch mehr als 20 Journalist:innen verletzt.

Die Regierung bot der LGBTI+-Community keinen Schutz, sondern setzte eine Absage der Demonstration durch. Der Premierminister Irakli Gharibaschwili sagte: „Diese Demonstration abzuhalten, ist für die Mehrheit der Bevölkerung inakzeptabel!“ Die Pride-Organisator:innen kündigten an, sich von den gewalttätigen Angriffen nicht einschüchtern lassen zu wollen und ihre Arbeit fortzusetzen.

Vor zwei Jahren musste der erste geplante CSD schon einmal abgesagt werden. Der Grund damals war die angespannte Lage im Land aufgrund von Angriffen durch faschistische Gruppierungen. Auch im Jahr 2013 wurden bis zu 20 LGBTI+-Aktivist:innen während einer Demo verletzt. Sie wurden körperlich angegriffen und mit Steinen beworfen. Am Tag zuvor rief selbst der Patriarch der georgischen orthodoxen Kirche zum Protest auf und hetzte gegen die LGBTI+-Community.


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