Am gestrigen Morgen ereignete sich im sogenannten „Chempark“, in dem unter anderem der Bayer-Konzern und viele Tochter-Unternehmen produzieren, eine schwere Explosion. Zwei Arbeiter verloren bei diesem Unfall ihr Leben, weitere sind vermisst.

Über das Stadtgebiet hinaus war ein lauter Knall zu hören und zu spüren, als am frühen Morgen Teile des Tanklagers im Chempark explodierten. Über der Stadt stand eine meterhohe, schwarze Rauchwolke. Schnell wurde über die Warn-App NINA die Warnstufe „extreme Gefahr“ ausgerufen. Denn zunächst war nicht klar, was die Explosion herbeiführte und ob womöglich giftige Stoffe über die Stadt ziehen.

Im Laufe des Tages zog die schwarze Rauchwolke weiter über das bergische Land Richtung Dortmund. Luftmessgeräte im Leverkusener Stadtgebiet gaben Entwarnung, die Luft sei nicht belastet. Allerdings waren einige Stadtteile von den Rußablagerungen belastet. Hierzu empfahl die Stadt, sie zunächst nicht abzuwaschen – man könne nicht sicher sein, worum es sich handele. Ob der Niederschlag Chemikalien auf den Grund mitgenommen habe, könne man erst am Ende der Woche mit Sicherheit sagen. Bis dahin gelte es, Spielplätze und Gartenarbeiten zu meiden.

Mindestens zwei Tote

Mindestens zwei der Arbeiter haben durch die Explosion ihr Leben verloren. Mehrere sind noch vermisst, nach Angaben der Chempark-Leitung sind es fünf Mitarbeiter:innen. „Die Suche nach den Vermissten läuft weiter auf Hochdruck. Leider schwindet die Hoffnung, sie lebend zu finden, zusehends“, sagte Chempark-Leiter Lars Friedrich laut Mitteilung. Die Zahl der Verletzten beziffert die Polizei mit 31 Personen.

Erst nach Stunden konnte ein Tank mit Lösungsmitteln, die Feuer gefangen hatten, gelöscht werden. Zuvor musste eine Stromverbindung unterbrochen werden. Drei Feuerwehren beteiligten sich an dem Großeinsatz. Die Feuerwehrleute der Stadt Leverkusen waren in den vergangenen Tagen schon ununterbrochen im Einsatz, um die Schäden der Flutkatastrophe zu beheben.

Sondermüllverbrennungsanlage von currenta

Die Explosion erfolgte im Tanklager der Verbrennungsanlage, in der „currenta“ (früher Bayer Industry Services GmbH & Co. OHG) Sondermüll von Bayer und anderen ansässigen Chemieunternehmen entsorgt. Wie das internationale Selbsthilfe-Netzwerk „Coordination gegen BAYER-Gefahren (CBG)“ berichtet, ist es nicht der erste Störfall dort:

„Im Jahr 2011, als Bayer noch die Mehrheit der currenta-Anteile hielt, erging nach einem Störfall dort ein Sandregen über Teile Leverkusens. 2010 entflammte ein Feuer und 2009 traten nach einem Defekt in der Dosier-Einrichtung der Abluft-Behandlung Schadstoffe aus.“

„Der Vorfall zeigt einmal mehr, welche Gefahr von der Produktion und der Entsorgung chemischer Stoffe ausgeht, wenn diese der Profitmaximierung dienen soll. Offenbar reichten die Sicherheitsanforderungen von currenta und seinen Auftraggebern im Chempark nicht aus, um die Sicherheit der Arbeiter*innen und Anwohner*innen zu schützen“, konstatiert Marius Stelzmann von der Coordination gegen BAYER-Gefahren.“


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