Die Bayer AG hat nun ein weiteres Berufungsverfahren wegen vermutlicher Krebsrisiken des Unkrautvernichtungsmittels „Glyphosat“ verloren. Ein US-amerikanisches Gericht bestätigte am Montag das vorangegangene Urteil, wonach Bayer für die Krebserkrankung eines Ehepaars haften muss. Damit hat das Unternehmen zum dritten Mal in Folge ein Berufungsverfahren zu dem umstrittenen Unkrautvernichtungsmittel verloren.

Das kalifornische Gericht in San Francisco lehnte es ab, das Urteil aus dem Jahr 2019 aufzuheben. In dem Urteil wird festgestellt, dass das Ehepaar nach mehr als drei Jahrzehnten der Anwendung des Unkrautvernichtungsmittels an Krebs erkrankt ist. Die Geschworenen hatten eine Entschädigungssumme von mehr als zwei Milliarden Dollar gefordert, die aber vom Richter auf 86,7 Millionen Dollar (73,9 Mio Euro) reduziert wurde.

Die Entscheidung kommt, nachdem das in Leverkusen ansässige Unternehmen Bayer vor kurzem weitere 4,5 Milliarden Dollar für Tausende von „Roundup“-Klagen zurückgestellt hatte. Damit belaufen sich seine Rückstellungen für diese Fälle auf mehr als 16 Milliarden Dollar. Das Unternehmen teilte außerdem mit, dass es die aktuelle Version des Unkrautvernichtungsmittels „Roundup“ im Jahr 2023 vom US-Markt nehmen wird.

Der Pharma- und Chemiegigant erbte den Rechtsstreit um Roundup mit der 63 Milliarden Dollar schweren Übernahme des amerikanischen Unternehmens Monsanto im Jahr 2018. Monsanto begann in den 1970er Jahren mit der Herstellung von Roundup.

„Wir sind mit der Entscheidung des Gerichts nicht einverstanden, da das Urteil nicht durch die Beweise in der Verhandlung oder das Gesetz gestützt wird“, sagte Bayer in einer per E-Mail gesendeten Erklärung. „Monsanto wird seine rechtlichen Möglichkeiten in diesem Fall prüfen“.

Der Anwalt des Ehepaars zeigt sich hingegen zuversichtlich und zufrieden mit der Entscheidung des Gerichts. Das Urteil sei „gut begründet und richtig“, sagte der Anwalt, Mike Miller, in einer E-Mail. „Monsanto verdient es, für das jahrzehntelange Verschweigen der Wahrheit über Roundup bestraft zu werden.“


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