Während einige Staaten der Welt im Wettimpfen teilweise schon die dritte Impfung anbieten, steuern einige afrikanische Staaten weitestgehend umgeimpft in die nächste Covid-Welle. In Frankreich beweisen hingegen tausende Demonstrant:innen Ausdauer gegen eine andere Art von Impf-Ungerechtigkeit.

Die WHO, vertreten durch Afrika-Direktorin Matshidiso Moeti, kritisiert die Booster-Impfungen in einigen Ländern, solange es in anderen an Impfstoff mangelt. Staaten des afrikanischen Kontinents seien besonders vulnerabel: Die Impfkampagnen schreiten dort nur langsam voran und viele Gesundheitssysteme seien instabil. Besonders besorgniserregend sei die Situation in Westafrika, wo die Todesfälle innerhalb eines Monats um 193 Prozent stiegen.

Diese Region müsse neben der Covid-Pandemie auch mit Ausbrüchen von Ebola oder dem Marburg-Fieber kämpfen.

Die Impfkampagne über „Covax“ habe Fahrt aufgenommen. Covax unterstützt Staaten dabei, Impfdosen zu finanzieren. Dazu haben einige Stiftungen, Privatpersonen und 94 „reichere Staaten“ einen Geldtopf bereitgestellt. Über die Impfstoffbeschaffung in abhängig gemachten Ländern fließt das bereitgestellte Geld jedoch letztlich an die Pharmakonzerne in den reichen Ländern zurück.

Inzwischen habe die Beschaffung endlich im Tempo angezogen. In der ersten Augusthälfte seien zehn Millionen Dosen geliefert worden.

Massenproteste in Frankreich

In Frankreich hingegen protestierten nun schon zum sechsten Mal in Folge Tausende gegen den „pass sanitaire“. Demnach sollen ungeimpfte Arbeiter:innen im Gesundheitswesen ab dem 15. September nicht mehr arbeiten dürfen und auch keinen Lohn erhalten. Auch in anderen Bereichen des öffentlichen Dienstes wurden im Zuge der Debatte um das entsprechende Gesetz mögliche Kündigungen der ungeimpften Teile der Belegschaft angekündigt.

Beim „pass sanitaire“ handelt es sich um einen Nachweis über Impfung, Genesung oder einen negativen Test. Dieser soll künftig in Fernzügen und -bussen, Restaurants, Ausstellungen, Museen und ab Mitte September auch auf öffentlichen Plätzen notwendig sein. Beendet werden soll diese Maßnahme gemeinsam mit dem gesundheitlichen Ausnahmezustand.

Am vergangenen Wochenende waren insgesamt 200 Demonstrationen organisiert worden. An insgesamt 217 Kundgebungen nahmen 215.000 Menschen teil, so das Innenministerium. Immer wieder kommt es dabei zu Zusammenstößen zwischen rechten und linken Demonstrationsteilnehmer:innen.


Wir schreiben für Perspektive – ehrenamtlich und aus Überzeugung. Wir schalten keine Werbung und nehmen kein Geld von Staat oder Konzernen an. Hilf' uns dabei, unseren unabhängigen Journalismus zu erweitern: mit einer einmaligen Spende, einem regelmäßigen Beitrag bei Paypal, Steady oder am besten als Mitglied in unserem Förderverein.