Mehrere Wirtschaftsinstitutionen erwarten für die nächste Zeit einen Anstieg der Löhne. Fachkräftemangel, Inflation und der demografische Wandel würden für die deutsche Wirtschaft weiterhin die zentralen Probleme sein. Doch ob sich dadurch die realen Lebensbedingungen der Arbeiter:innen verbessern bleibt unklar.

Schon im Januar 2021 prognostizierte das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) einen Anstieg der Löhne aufgrund des Fachkräftemangels. Dem schloss sich jetzt das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) an. Beide Institute sehen den Fachkräftemangel als auschlaggebendes Moment für den Anstieg der Löhne. Gerade in der Altenpflege, Straßenbau und im Gastgewerbe könnten die Löhne überdurchschnittlich steigen. Teilweise sei der Fachkräftemangel so drastisch, dass ganze Firmen, wie Hotels, schließen müssen. Das geht aus einer Analyse geht der Bundesagentur für Arbeit hervor.

Das IfW sah im Januar allerdings eher einen Anstieg bei den Gehältern des hochqualifizierten Personals. Während in den Jahren 2013 bis 2019 die Löhne in Deutschland um rund 15 Prozent stiegen, wuchsen sie in den zuvor genannten Branchen um 18 bis 24 Prozent. Teilweise bieten hier Straßenbauunternehmen und Krankenhäuser 10.000€ Bonusprämie bei einem Wechsel des Arbeitgebers – allerdings nur bei hoher Qualifikation.

Nach dem derzeitigen Trend des IfW wird vorausberechnet, dass es durchschnittliche Lohnerhöhung von knapp fünf Prozent jährlich möglich seien. Doch bereits in diesem Jahr gab es einen Anstieg der Lebenserhaltungskosten um rund 3,9 Prozent, weshalb auch kräftige Lohnerhöhungen von der Inflationaufgefressen werden könnten. Hinzukommt, dass ersteinmal die Reallohnverluste von 2020 aufgeholt werden müssen. Diese waren gegenüber 2019 um fast 5% gefallen.

Reallöhne sinken um fast 5% gegenüber 2019


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