Ab heute ist es für Ungeimpfte nicht mehr möglich, sich auf eine Corona-Infektion testen zu lassen. Linke Organisationen haben diesen Schritt kritisiert.

Im August wurde auf einem der zahlreichen Treffen von Bund und Ländern beschlossen, das Angebot der kostenlosen „Bürgertests“ zum 11. Oktober zu beenden. Zuvor konnte sich jede:r einmal wöchentlich kostenlos per Schnelltest auf das Corona-Virus testen lassen.
Dieses Angebot gilt nun für Ungeimpfte nicht mehr. Ausnahmen sind Menschen, die sich aus gesundheitlichen Gründen oder aufgrund ihres Alters nicht impfen lassen können. Mit dieser Maßnahme möchte man noch Ungeimpfte zu einem Umdenken in ihrer Entscheidung bewegen.

Linke Organisationen hatten diese Entscheidung bereits Anfang August kritisiert. In einer gemeinsamen Erklärung des Solidaritätsnetzwerks, des Frauenkollektivs und der Internationalen Jugend hatte es im August zu dieser Entscheidung geheißen:

„Kostenpflichtige Tests sollen den noch ungeimpften Teil der Bevölkerung zur Impfung motivieren. Das Problem dabei: Die realen Hindernisse, die für viele einer Impfung im Weg stehen, werden in keiner Weise beiseite geräumt.“

So müssten verschiedene Faktoren, unter denen Arbeiter:innen, Frauen und Jugendliche leiden, beachtet werden: Mehrfachbelastungen im Alltag (Kinderbetreuung, Hausarbeit, etc.), Angst vor Kündigungen durch Ausfall bei Impfreaktionen, Mobilitätseinschränkungen durch Alter, Behinderung und Ähnliches oder mangelnde Infrastruktur.

„Menschen, die sowieso schon von vielen Teilen des öffentlichen Lebens ausgeschlossen sind, werden durch teure Antigen-Tests kaum zum Impfen motiviert, sondern noch mehr in ihren Wohnungen allein gelassen.“, so die Erklärung. Stattdessen brauche es weiterhin kostenlose Corona-Tests für alle und unkomplizierte Impfungen für alle, die sie wollen.

Tatsächlich ist es fragwürdig, ob es der Pandemiebekämpfung dienlich sein wird, wenn ein Schnelltest künftig 11,50 Euro kosten wird. Da selbst dieser in einigen Bundesländern nicht einmal mehr einen Restaurantbesuch ermöglicht und viele Menschen ihn sich nicht mehr werden leisten können, wird die Anzahl der Tests wohl eher sinken. Gesundheitsexpert:innen befürchten deshalb, dass immer mehr Infektionen unerkannt bleiben könnten.


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