Auf dem Weg in die vierte Welle führt die Politik wiederholt die Debatte, welche Maßnahmen effektiv, angemessen oder tragbar wären. Die „Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin“ spricht sich dafür aus, Schulen so lang wie irgend möglich offen zu lassen.

Obwohl Schulschließungen in den meisten Orten noch nicht explizit diskutiert wurden, befürchten Schüler:innen und Eltern erneut den Lockdown. Vielen steckt noch das letzte Homeschooling in den Knochen, einige Klassen holen immer noch nach, was eigentlich im Heimunterricht hätte gelernt werden sollen.

Die „Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin“ (DGKJ) appelliert derweil dafür, die Schulen nur als letztes Mittel zu schließen. Denn während Covid-Infektionen ohne jeden Zweifel großen Schaden anrichteten, ging auch diese Maßnahme mit großen Kollateralschäden einher.

Der „Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte“ (BVKJ) pflichtete dem bei.

Soziale und körperliche Folgen

Besonders schwierig sei das Homeschooling für Haushalte mit Kindern unter 14 Jahren gewesen. Vor allem Kopf- und Bauchschmerzen sowie Schlafstörungen hätten zugenommen, berichtet der RKI-Präsident Lothar Wieler.

Das RKI fordert ebenfalls, die Schulen „so spät wie möglich“ zu schließen. Im zweiten Lockdown hätten fast die Hälfte der Kinder und Jugendlichen angegeben, dass sich ihre Fitness verschlechtert hätte. Rund ein Viertel gibt an, an Gewicht zugenommen zu haben.

Doch es gibt auch Institute, die zu gegensätzlichen Einschätzungen kommen: Die „Gesellschaft für Medizinische Informatik“ (GMDS) und das „Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung“. Die Schulschließungen hätten zwar zur „Verschlechterung der mentalen Gesundheit, insbesondere Angst- und depressiven Störungen“ geführt. Allerdings ginge die Schulschließung nicht nur mit weniger Kontakten in der Schule, sondern auch mit zahlreichen Nebeneffekten einher, die das Infektionsgeschehen eindämmten. So würde auch der öffentliche Nahverkehr weniger genutzt, Eltern hätten weniger Berufskontakte.

Waren Schulschließungen angemessen?

Ungeachtet der Unklarheiten in der vierten Welle entscheidet das Verfassungsgericht bald über zwei Verfassungsbeschwerden. Zu diesem Zweck ließ das Gericht 31 medizinische Fachgesellschaften und Institutionen einen Fragebogen beantworten. In diesem ging es einerseits um die Schließungen und deren Effekt auf Inzidenzen, vor allem aber um die Nebeneffekte und mögliche Schäden, die Kinder und Jugendliche erlitten haben.


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