Dass reiche Staaten wie Deutschland Impfdosen horten und sogar vernichten, gleichzeitig aber den Patentschutz auf Impfstoffe aufrecht erhalten, ist für die ganze Weltbevölkerung gefährlich. Denn solange nur Teile der Welt gute Impfquoten haben, steigt mit jeder neuen Mutante die Gefahr für resistente Varianten.

Die neue Corona-Variante B.1.1.529 „Omikron“ ist eine mögliche Katastrophe mit Ansage. Südafrikanische Expert:innen haben schon zu Beginn der weltweiten Impfkampagne gewarnt: Wenn die Weltbevölkerung nicht umfassend geimpft werde, könne es kein Ende der Pandemie geben.

Infektions- und Virusforscher:innen aus Südafrika müssen es wissen, verfügt das Land doch über eine der meist entwickelten Infrastrukturen für Infektionsmanagement. Die AIDS-Krise und die weit verbreitete Tuberkulose haben das dortige Gesundheitssystem bereits auf Zerreißproben gestellt.

Für die gleichmäßige Verteilung der Impfstoffe haben sich zwei unterschiedliche Strategien herausgebildet: 92 der reichsten Industrienationen unterstützen „Covax“. Mit dieser Initiative können andere Staaten mit geringen Hürden Gelder beantragen, mit denen dann die Impfstoffe bei Pharmakonzernen eingekauft werden können. So fließen beantragte und zu mildtätigen Zwecken zur Verfügung gestellte Gelder wieder zurück in die mildtätigen Industrienationen.

„Wir werden die Entstehung von Varianten nur verhindern können, wenn wir alle Menschen auf der Welt schützen, und nicht nur die Reichen.“, erklärt „Gavi“-Chef Seth Berkley. Die Impfallianz „Gavi“  ist eine öffentlich-private Partnerschaft und Mitinitiatorin der Covax-Kampagne. Doch um genau dieses Ziel zu erreichen, erklären Staaten wie Südafrika die Covax-Kampagne für unzureichend.

Sie fordern stattdessen einen – mindestens temporären – Patent-Stopp. Patente sichern den Pharmakonzernen ihre Profite, sind jedoch in einer Pandemie brandgefährlich. Denn eine Pandemie mit Impfstoffen zu bekämpfen, beruht darauf, möglichst schnell möglichst alle zu impfen. Andernfalls vergeht kostbare Zeit, in der sich neue Mutationen entwickeln und verbreiten können, wie es jetzt mit Omikron geschehen ist. Und jede neue Variante birgt das Risiko, gegen bisher entwickelte Vakzine und Therapien resistenter zu sein als ihre Vorgängerinnen.

Patente in Infektionskrisen auszusetzen, wäre keine neue Erfindung. Nur so konnte das Leiden und Sterben während der Aids-Krise eingedämmt werden. Allerdings erst, nachdem lange zehn Jahre unnötig viele Menschen starben, obwohl bereits eine Therapie entwickelt und verfügbar war.

Die reichen Staaten wie die BRD sichern ihren eigenen Pharma-Industrien ihre Profite – zur Überraschung vieler sogar zu Lasten der Lebensqualität und Gesundheit der eigenen Bevölkerung. Denn: selbst gute Impfquoten innerhalb eines Landes sind angesichts der globalen Verbreitung der verschiedenen Covid-Varianten keine sichere und nachhaltige Lösung.


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