Jedes Jahr beginnen viele Menschen in Deutschland mit Schulden – viele Rechnungen müssen zum Jahresanfang beglichen werden. In diesem Jahr kommen stark steigende Verbraucher:innenpreise und Kurzarbeit hinzu, die Zahl der Dispoverschuldeten ist um 17 Prozent höher als im letzten Jahr.

9,5 Prozent der Deutschen starten das Jahr mit überzogenem Konto. Ein sogenannter “Dispokredit” ist kein Kredit, der bei einer Bank extra beantragt wird, sondern die Folge eines überzogenen Kontos. Mit 6,6 Millionen Dispo-Verschuldeten ist die Zahl um 17 Prozent höher als im Januar 2021.

Eine repräsentative Civey-Umfrage im Auftrag von “Smava” ergab: Ein knappes Drittel der 6,6 Millionen Menschen hat Schulden bis zu 500 Euro, weitere 28 Prozent sind zwischen 500 und 2.000 Euro im Minus. Mit 37,9 Prozent machen diejenigen, deren Konto mit mehr als 2.000 Euro überzogen ist, den größten Teil aus. “Smava” ist ein Vergleichsportal für Kredite und gab die Studie zu Werbezwecken in Auftrag.

Etwa die Hälfte der Verschuldeten kann das Minus im laufenden Monat ausgleichen. Immerhin 15 Prozent der Befragten geben jedoch an, die Summe noch für mehr als 12 Monate abstottern zu müssen.

Die “Dispo-Falle” für Einkommensschwache

Besonders tückisch ist, dass auf die Dispokredite hohe Zinsen fällig werden. Laut der Stiftung Warentest sind es im Durchschnitt 9,51 Prozent, die zusätzlich zurückgezahlt werden müssen. Deswegen ist auch von der “Dispo-Falle” die Rede. Dispo-Kredite werden häufig nicht geplant, sondern aus Not aufgenommen, sind aber fast doppelt so teuer wie übliche Ratenkredite.

Jedoch haben vor allem einkommensschwache Personen Schwierigkeiten, einen Ratenkredit zu bekommen, sodass ihnen bei Engpässen oft nichts anderes übrigbleibt, als das Konto zu hohen Zinsen zu überlasten. Die Dispo-Kosten erhöhen die Ausgabenseite dann umso mehr.

Jahresstart, Inflation, Kurzarbeit

Die Gründe für den starken Anstieg der Dispokredite liegen auf der Hand: Jedes Jahr ist die Dispo-Verschuldung um den Jahreswechsel höher als im Rest des Jahres. Das liegt zum Beispiel daran, dass Familien mehr für die Feiertage ausgeben, aber auch daran, dass beispielsweise viele Versicherungen ihre Beiträge zum Jahresbeginn einziehen.

Der diesmalige Anstieg muss darüber hinaus vor allem auf rasant steigende Verbraucher:innenpreise zurück geführt werden. Sie treffen einkommensschwache Haushalte ganz besonders. Dem Institut der Deutschen Wirtschaft zufolge betrug die Inflation für einen Haushalt mit einem Einkommen von weniger als 900 Euro in den vergangenen 26 Jahren 6,6 Prozent. Für einen Haushalt mit 5.000 Euro netto pro Monat sind die Preise ‘nur’ um 5,5 Prozent gestiegen. Das liegt vor allem daran, dass einkommensstarke Haushalte mehr Dienstleistungen konsumieren (können), deren Preise nur unterdurchschnittlich gestiegen sind.

 


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