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Sonntag, Juni 16, 2024
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    ver.di verhandelt mit Telekom – Reallohnverlust trotz sprudelnder Gewinne

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    Die Vereinigte Dienstleistungsgewerkschaft ver.di hat einen Tarifabschluss über 24 Monate mit dem Telekommunikationskonzern Deutsche Telekom abgeschlossen. Dieser beinhaltet noch nicht einmal einen Inflationsausgleich, obgleich der Konzern im letzten Jahr soviel Gewinne gemacht hat, wie seit 16 Jahren nicht mehr.

    In der dritten Tarifverhandlungsrunde für die bundesweit rund 55.000 Tarifbeschäftigten, Auszubildenden und dual Studierenden bei der Deutschen Telekom haben die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) und die Kapital-Seite ein Verhandlungsergebnis erzielt.

    Konkret sollen in den Entgeltgruppen 1 bis 5 die Löhne zum 1. August 2022 um 3,1 Prozent und zum 1. Juni 2023 um weitere 2,1 Prozent steigen. In der Entgeltgruppe 6 steigen sie zu denselben Zeitpunkten um 2,9 Prozent und 2,1 Prozent. In den Entgeltgruppen 7 bis 10 steigen die Entgelte zu denselben Zeitpunkten um 2,7 Prozent und 2,1 Prozent.

    Bei einer derzeitigen Inflation von 7,4% liegen die Erhöhungen der Entgelte damit weit unterhalb der Preisentwicklung. Damit hat ver.di faktisch einer Lohnsenkung für die von ihr vertretenen Arbeiter:innen verhandelt.

    Zwar soll es für Beschäftigte in den Entgeltgruppen 1 bis 6 eine Einmalzahlung in Höhe von 500 Euro im Juli 2022, sowie eine weitere Einmalzahlung von 500 Euro im Februar 2023 geben. Doch werden auch damit die Reallohnverluste höchstwahrscheinlich nicht ausgeglichen.

    Bei Auszubildenden sollen die Löhne um jeweils 35 Euro pro Jahr steigen. Auch das liegt weit unter der Teuerungsrate. Hier sind zudem nur Einmalzahlungen von 100 Euro vorgesehen.

    Das Tarifergebnis steht unter dem Vorbehalt der Zustimmung der ver.di-Tarifkomission. Die ver.di-Verhandlungskomission hat die Annahme des Tarifergebnisses jedoch einstimmig empfohlen.

    „Absenkung des Lebensstandarts“

    In einer Pressemitteilung zeigt sich ver.di zufrieden: „Mit diesem guten Ergebnis schaffen wir Sicherheit und Perspektive für die Beschäftigten der Deutschen Telekom, insbesondere auch für Auszubildende und dual Studierende. Damit wirken wir auch dem drohenden Fachkräftemangel entgegen“, so ver.di-Verhandlungsführer Frank Sauerland.

    Unmut macht sich sich derweil in den sozialen Medien breit. So äußert ein Twitter-Nutzer unter der Veröffentlichung der Einigung: „Zwei Jahre massiver Lohnverlust sind kein “gutes Ergebnis” und das einzige, was man damit “sichert” ist die Absenkung des Lebensstandards. Warum wird so ein Ergebnis verhandelt, wenn noch nicht mal voll gestreikt wurde?“

    Ein anderer Nutzer sieht dies anders. Er spricht von einem „souveräner Abschluss“. Wer glaube, man könne „Putins Inflation in ner Tarifrunde ausgleichen“ sei „töricht“. „Da muss ne Bundesregierung liefern. Telekom ist doch selbst von Kriegsfolgen betroffen“, so der User.

    Tatsächlich hat die deutsche Telekom im vergangenen Jahr so viel Profit gemacht wie zuletzt 2005. Rund 4,18 Milliarden Euro hat der ehemalige Staatskonzern an die Aktionär:innen ausgeschüttet. Im Gegensatz zu Industrie und Bauwirtschaft ist der Telekommunikations- und IT-Bereich derzeit wenig vom Krieg betroffen.

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