Die Ausstellung „Haut, Stein“, die seit dem 7. Oktober 2022 im EL-DE-Haus am Kölner Appellhofplatz ausgestellt wird, hat eine so spannende Grundidee, versagt aber leider kläglich. – Eine Kritik von Felix Thal

Das künstlerische Projekt von Jakob Ganslmeier umfasst vor allem Fotografien, die in Zusammenarbeit mit der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora sowie EXIT-Deutschland entstanden sind. Sie sollen den Verbleib nationalsozialistischer Symboliken in der Gesellschaft zeigen.

Auf der einen Seite werden NS-Symbole gezeigt, die heute noch im öffentlichen Raum zu finden sind und nur mangelhaft entfernt wurden. Wehrmachtssoldaten, Gravierungen, Gedenkstätten, Hakenkreuze und Reichsadler sind in unterschiedlichster Qualität immer noch zu finden.

Ob an einem Gebäude bei einem Discounter oder neben einer U-Bahnhaltestelle. Zum Teil wurden sie während der sogenannten Entnazifizierung entfernt oder nur leicht unkenntlich gemacht. Auf den Bildern von Ganslmeier sind sie aber sehr gut zu erkennen.

In auffällig vielen westdeutschen Städten wie Braunschweig, Augsburg, Darmstadt, Frankfurt, Hamburg, Hannover, Kaiserslautern, Karlsruhe, Kassel, Köln, Minden und vielen weiteren wurden diese schwarz-weiß Aufnahmen angefertigt. Gezeigt werden aber nur vier Großaufnahmen.

Auf der anderen Seite werden Fotografien von ehemaligen Faschisten gezeigt, die ihre politische Gesinnung auf ihrer Haut in Form von Tätowierungen tragen. Dabei sieht man SS-Totenköpfe, Runen und Hakenkreuze. Die Tätowierungen wurden von den Männern zum Teil mit einem Cover überzeichnet oder befinden sich in der Phase der schmerzhaften Entfernung durch Laser. Diese Bilder entstanden in Zusammenarbeit mit EXIT-Deutschland.

Die Frage, die sich der Künstler bei der Ausstellung gestellt hat, war: Wie vergangen ist die deutsche Vergangenheit?

Bei der Beantwortung dieser Frage lässt die wirklich kurze Ausstellung den Besucher oder die Besucherin völlig allein. Neben den Fotografien vermisst man jede Einordnung oder Erklärung.

Es gibt keine einzige Texttafel an den Ausstellungsstücken, die das Gesehene in irgendeiner Form kontextualisiert. Es wird keine Tätowierung erklärt oder beschrieben. Auch die Symbole, die im Stadtbild zu finden sind, werden nicht eingeordnet. Man sieht über die Ausstellung hinweg nur die Fotografien. Wenn man nicht gerade ein Grundwissen an nationalsozialistischer Symbolik vorweisen kann, tappt man völlig im Dunkeln.

Daher kann man leider nicht empfehlen die Sonderausstellung zu besuchen. Allerdings lohnt es sich immer den dramatischen Kellerbereich oder die Dauerausstellung des EL-DE-Hauses zu besichtigen. Das Gebäude diente während des Nationalsozialismus der Gestapo als Dienststelle und Gefängnis.


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