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Donnerstag, Februar 29, 2024
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    Kriegsprofiteur Rheinmetall geht auf Einkaufstour

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    Das Düsseldorfer Waffenmonopol Rheinmetall ist eines der bedeutendsten Großunternehmen Deutschlands. Als weltweiter Waffengroßproduzent profitiert der Konzern enorm von Kriegen wie aktuell in der Ukraine und hat somit konkretes Interesse an dessen Fortführung. Aktuelle Großinvestitionen des Konzerns bestätigen: Rheinmetall scheint für die nahe Zukunft weitere Kriege vorauszusehen – inklusive dicker Dividenden. – Ein Kommentar von Phillipp Nazarenko

    Mitte November 2022 gibt Rheinmetall bekannt, den spanischen Munitionshersteller „Expal Systems“ für satte 1,2 Milliarden Euro zu kaufen. Dieser Großeinkauf schließt 6 Produktionsstandorte in Spanien und einen in den USA ein, und soll sich laut konzerneigener Prognose richtig lohnen. Aktuell soll „Expal Systems“ einen Jahresumsatz von ca. 400 Millionen Euro erzielen.

    Der CEO von Rheinmetall, Armin Papperger, spricht davon, dass die Kapazitäten ausreichen würden, um den Umsatz auf bis zu 700 Millionen Euro steigern zu können. Der Herr muss wissen, wovon er spricht, er ist bereits seit 2013 Vorsitzender des Monopolkonzerns und seit 2012 Mitglied des Unternehmensvorstands.

    Die neu erworbene Tochterfirma legt einiges auf den Tisch: so spricht Papperger von einer Granaten-Produktionskapazität von jährlich 250.000 bis 300.000 Geschossen. Rheinmetall selbst verfüge bislang über eine Kapazität von „nur“ 80.000. Einen weiteren Geschäftsvorteil bringt der Neuzugang ebenfalls mit sich: „Expal Systems“ hat bereits viele lukrative Aufträge vom spanischen Staat in der Tasche, unter anderem soll demnächst ein mobiler Raketenwerfer entworfen werden.

    Der Ex-Admiral José Luis Urcelay leitet das baldige Tochterunternehmen von Rheinmetall, kennt er sich doch gut mit Waffen aus und unterhält wohl noch die ein oder andere Bekanntschaft zu zahlungswilligen Abnehmern, die ihm aus seinem früheren Job vertraut sein dürften.

    Rheinmetall spricht ganz offen davon, dass es sich hierbei um eine bedeutende Zukunftsinvestition handelt. Der Markt für Waffen, besonders Artillerie(-geschosse) und Flugabwehr (wie z.B. den hauseigenen Flugabwehrpanzer „Gepard“) soll sich stark vergrößern, ganz zur Freude der Konzernbesitzer:innen. Auch die Börse freut sich über das Mordsgeschäft, der Börsenkurs des Unternehmens stieg Montag nach Bekanntwerden des Deals um ganze 8 Prozentpunkte.

    Den größten Sprung der jüngeren Geschichte verzeichnete der Aktienkurs der Waffenschmiede übrigens mit Kriegsbeginn in der Ukraine im Februar, damals um satte 40%. Aktuell verzeichnet das Unternehmen einen jährlichen Umsatz von 6,225 Milliarden Euro jährlich, Tendenz steigend. Global beschäftigt es ca. 25.000 Arbeiter:innen an 133 Standorten. Damit ist es Deutschlands größtes Waffen-Monopol (Platz zwei belegt ThyssenKrupp) und international die Nummer 27.

    Im Februar 2021 gab der Konzern bekannt, sich weiter Richtung „integrierter Technologiekonzern“ entwickeln zu wollen. Mit anderen Worten: es sollen verstärkt High Tech-Waffensysteme in den Fokus rücken. Bis 2025 will das Unternehmen, nach eigenen Angaben, den Umsatz auf 10 bis 11 Milliarden Euro steigern.

    Ukraine als Zukunftsgeschäft

    Niemanden sollte es überraschen: für Waffenkonzerne ist Krieg so etwas wie eine Goldgrube. Und der Krieg zwischen Russland und der Ukraine kam für Rheinmetall praktisch wie ein frühes Weihnachtsgeschenk. Der ukrainische Staat ist nämlich militärisch inzwischen gänzlich von Waffenlieferungen aus den NATO-Staaten abhängig.
    Ganz „uneigennützig“ verweist der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz auf die Privatwirtschaft. Auch die Grünen winken Exporte munter durch. Ihr Wahlversprechen, keine Waffen in Kriegsgebiete zu exportieren, haben sie schon lange vergessen.

    Im November findet ein weiterer sogenannter Ringtausch statt. Rheinmetall wird 15 „Leopard 2“-Panzer an die Slowakei liefern. Diese tauscht im Gegenzug dafür dann sowjetische Modelle weiter an die Ukraine. Auch von den angekündigten 100 Milliarden „Sondervermögen“ für die Bundeswehr verspricht sich Rheinmetall zukünftig saftige Aufträge.

    Kriegsprofiteure

    Waffenkonzerne wie Rheinmetall, Heckler&Koch und ThyssenKrupp, die sich beschönigend Rüstungsunternehmen nennen, sind einige der größten Profiteure von Menschheitskatastrophen wie Kriegen. Die aktuelle Entwicklung bezüglich der Ukraine zeigt wieder deutlich auf: Wird irgendwo gemordet, füllt sich in Düsseldorf ein Bankkonto. Die Interessen solcher Kriegsprofiteure sind unvereinbar mit Frieden. Ob nun der Staat zur Bekämpfung der eigenen Bevölkerung oder zur Bekämpfung einer fremden Bevölkerung hochgerüstet wird – Rheinmetall und Co. haben immer ein direktes Interesse daran, dass diese Dinge passieren.

    Ein System, das erlaubt, dass Mord zur Ware wird, kann gar nicht anders, als immerzu mehr und mörderischere Kriege zu produzieren und „künstlich“ am Leben zu erhalten. Der Kampf gegen Krieg und Imperialismus kann nur erfolgreich sein, wenn er sich gegen die Profiteure von Kriegen und gegen das System richtet, das ihnen zur Macht verhilft. Dauerhafter Frieden und Kapitalismus vertragen sich nicht miteinander.

    • Sächsischer Perspektiveautor seit 2022 mit slawisch-jüdischem Migrationshintergrund. Geopolitik, deutsche Geschichte und der palästinensische Befreiungskampf Schwerpunkte, der Mops das Lieblingstier.

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