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Dienstag, Juni 18, 2024
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    Wer ist eigentlich Elon Musk?

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    Seitdem er im Oktober die Social Media-Plattform Twitter kaufte, macht Elon Musk wieder weltweit Schlagzeilen. Viele betrachten den Kauf mit Sorge und sehen den Milliardär als skrupellosen Machtmenschen. Seine Anhänger hingegen feiern ihn als Visionär. Wer ist dieser reichste Mann der Welt? – Ein Portrait von Rudolf Routier.

    Elon Musk sieht sich selbst gerne als neoliberale Erfolgsgeschichte. Aus dem Nichts hat er es angeblich zum reichsten Mann der Welt gebracht. Kritiker:innen in den sozialen Medien hielten im entgegen, dass er als Sohn des Besitzers einer Diamant-Mine in Zimbabwe wohl kaum als “aus dem Nichts” gekommen ist. Darauf behauptete dieser stolz, dass er sich zur Zeit der Gründung seiner ersten Firma “Zip2”, die Inhalte für Medienunternehmen anbot, nicht einmal einen zweiten Computer leisten konnte. Tatsächlich besaß sein Vater, ein südafrikanischer Millionär, lediglich Anteile an einer Diamant-Mine und hat sein Vermögen größtenteils mit Immobilien und Grundstücken gemacht.

    Als Elon Musk 1996 zusammen mit seinem Bruder Kimball Zip2 gründete, steuerte der Vater zwischen 20.000 und 28.000 Dollar Startkapital bei, Musks Aussagen gehen da auseinander. Doch nicht nur im Bereich Geld war Musks familiärer Hintergrund bei der Unternehmensgründung von Vorteil. Als Sohn eines Millionärs und Absolvent eines Elite-Internats in der südafrikanischen Hauptstadt Pretoria hatte er das notwendige Hintergrundwissen sowie Beziehungen in der Geschäftswelt.

    Wie viele erfolglose Unternehmensgründer:innen bestätigen können, sind die wenigsten Investor:innen bereit, in eine unbekannte und unerfahrene Anfänger:in zu investieren. Dies ist aber nun einmal für die erfolgreiche Unternehmensgründung essentiell.

    Musk selbst wurde nach einem Jahr als Vorstandsvorsitzender des Online-Finanzunternehmens “X.com”, das er mit Geld aus dem Verkauf von Zip2 aufbaute, von den Investor:innen aufgrund seiner Unerfahrenheit abgesetzt. Ohne den Vertrauensbonus, den ihm sein Klassenhintergrund gab, wären sie das Risiko, in ihn zu investieren, wohl erst gar nicht eingegangen.

    Profit über allem

    2004 wurde Elon Musk dann Geschäftsführer des Elektroautoherstellers “Tesla”. Die Firma ist die Umsatzstärkste seiner Unternehmen, weswegen der Milliardär gerade hier auf Profitmaximierung setzt – durch gnadenlose Ausbeutung. Bei einer 40 Stunden-Woche gehören Überstunden zum Alltag, oft verlangt Musk von seinen Angestellten sogar, direkt am Arbeitsplatz zu schlafen. Während der Covid 19-Pandemie weigerte er sich im März 2020 zunächst, die Tesla-Fabrik in Fremont zu schließen und öffnete sie entgegen den lokalen Covid- Bestimmungen bereits im Mai 2020 wieder. Arbeiter:innen, die aus Angst um ihre Gesundheit zu Hause bleiben wollten, drohte er mit Kündigung.

    Tesla wirbt mit einem umweltfreundlichen Image, doch auch hier steht der Profit über allem. Für die Herstellung der Batterien von Elektroautos ist Lithium notwendig, jedoch richtet dessen Förderung auch große Schäden an der Umwelt an. Nachhaltigere Abbaumethoden würden allerdings den Profit schmälern.

    Auch ist Musk innerhalb seiner Firmen für sein aggressives Verhalten bekannt: Er ignoriert seine Berater:innen und – sowohl in persönlichen Gesprächen als auch in Serienmails (sein bevorzugtes Kommunikationsmedium) – bedroht, beleidigt und kündigt er Arbeiter:innen, so wie es ihm gerade gefällt.

    Kleinste Komplikation sind Anlass für Wutausbrüche und Beleidigung. Ehemalige Angestellte in einer von Musks Fabriken berichten, wie er mit seinem Privatflugzeug anreiste, um Menschen direkt am Fließband persönlich zu feuern. Ein Manager der Firma nennt solche Vorfälle “Elon’s Rage Firings” (Dt.: “Elons Wutentlassungen”).

    Bewerber:innen wird geraten, während der Arbeit kein Parfüm oder Deo zu tragen, da Musk sensibel auf Gerüche reagiere. Ein ehemaliges Mitglied des Vorstands von Tesla erzählte, dass ihm gesagt wurde, er solle während der Meetings möglichst tief in seinem Stuhl sitzen, da Musk es bevorzuge, dass er seine Angestellten überragt.

    Obwohl Elon Musk jegliche staatliche Kontrolle über die Wirtschaft, Arbeitsbedingungen sowie eine Vermögensteuer selbstverständlich ablehnt, ist es gerade der Staat, beziehungsweise sind es die Steuergelder von Arbeiter:innen, die seine Firmen weiterhin am Leben halten. Ein großer Teil des Umsatzes von Tesla stammt aus staatlichen Subventionen und Steuergutschriften, und Musk selbst gab zu, dass ohne einen 1,6 Milliarden Dollar-Auftrag der US-amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA sein Raumfahrtunternehmen “SpaceX” nicht länger konkurrenzfähig gewesen wäre.

    Der Milliardär selbst verteidigt sich gegen jegliche Kritik damit, dass seine Vermögenssteigerung dem Ziel diene, die Menschheit ins Weltall zu bringen und er kein Interesse an materiellem Besitz habe. Inwiefern uns seine Privatjets, Luxus-Yachten und Parties in Berliner Reichenclubs jetzt auf den Mars bringen, hat Elon Musk bislang jedoch nicht gesagt.

    Das größte Rädchen in einer kaputten Maschine

    Doch selbst der reichste Kapitalist steht letztendlich nicht über dem Wirtschaftssystem, dem er seinen Erfolg verdankt. Bereits in seiner Zeit bei X.com und auch Paypal wurde Musk zweimal von den Investor:innen als Vorstandsvorsitzender ersetzt. Und schon öfters wurden Musks Kontroversen von einem sofortigen Abspringen wichtiger Aktionär:innen begleitet.

    Erst kürzlich fielen die Tesla-Aktien rapide, da erwartete Gewinne ausblieben. Würde Musk nun seine arbeiter:innenfeindliche Unternehmensführung ändern, würde dies auf Kosten des Profits gehen und sofort von den Investor:innen und Aktionär:innen abgestraft werden. Ein arbeiter:innenfreundliches Unternehmen ist ein unprofitables Unternehmen, und ein unprofitables Unternehmen existiert im Kapitalismus in den meisten Fällen nicht lange.

    Es ist einfach, teilweise sogar populär, Musk zu kritisieren. Doch obwohl das zweifellos richtig ist, unterscheidet er sich nicht sonderlich von anderen Kapitalist:innen. Ihm weniger aggressiv auftretende Ausbeuter:innen als Positiv-Beispiele entgegenzusetzen, löst das Problem nicht. Es verschleiert es nur. Schließlich folgen letztendlich auch die sympathischsten Kapitalist:innen der Hauptregel des Kapitalismus: maximalen Profit auf dem Rücken der Arbeiter:innen zu erzielen.

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