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Sonntag, April 14, 2024
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    Im Auftrag des Chefs: Schlägertruppe greift streikende LKW-Fahrer an

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    Seit Mitte März streiken LKW-Fahrer auf einer Raststätte in der Nähe von Darmstadt. Der Chef des polnischen Speditionsunternehmens versuchte am Freitag, mit einem paramilitärischen Schlägertrupp den Streik zu beenden.

    Seit Ende März streiken usbekische und georgische LKW-Fahrer auf der Autobahnraststätte Gräfenhausen in der Nähe von Darmstadt. Sie liefern für das polnische Speditionsunternehmen “Mazur” und sind über Subunternehmen in Scheinselbstständigkeit angestellt. Das bedeutet für die Arbeiter:innen, dass es für sie schwieriger ist, ihre Rechte einzufordern. Seit über zwei Monaten warten sie mittlerweile auf ausstehende Löhne, denn vom Unternehmen wurde ein Tagessatz von 80 Euro versprochen. Der Lohnausfall summiert sich mittlerweile auf mehrere tausend Euro und führt zu großen Problemen bei den Familien der Streikenden.

    Nachdem der Chef des Unternehmens, Lukasz Mazur, Ende März bereits für Verhandlungen in Gräfenhausen war, tauchte er nun am vergangenen Freitag mit dem paramilitärischen Schlägertrupp „Rutkowski Patrol“, mit Ersatzfahrern und einem Fernsehteam des Senders Patriot24 an der Raststätte auf.

    Der Schlägertrupp ist Teil des Privatdetektiv-Unternehmens von Krzysztof Rutkowski, der früher als Politiker in verschiedenen nationalistischen Parteien in Polen aktiv und sogar Mitglied des EU-Parlaments war. Sein Unternehmen soll 2012 in Berlin sogar versucht haben, im Auftrag des Vaters eine Frau nach Polen zu verschleppen. Darüber hinaus wurde er in Polen wegen seiner Tätigkeit bereits verurteilt.

    Einschüchterungsversuch eskaliert

    In dem Video, das der Sender Patriot24 dann auf seiner Internetseite veröffentlichte, ist zu sehen, wie die angeheuerte „Rutkowski Patrol“ mit einem gepanzerten militärähnlichen Fahrzeug auf die LKW der Streikenden zufährt. Die mehr als zehn Männer, die mit schusssicheren Westen bekleidet sind, steigen aus ihren Autos aus und gehen auf die ersten Arbeiter:innen zu, die augenscheinlich noch gar nicht einordnen können, was gerade passiert. Obwohl schon ein erster Polizist vor Ort ist, bricht ein Handgemenge aus. Später eintreffende Polizist:innen versuchen, die zwei Fronten auseinanderzutreiben. Kurz darauf ist ein Polizist mit Pfefferspray in beiden Händen zu sehen, wie er vor den Streikenden steht und das Pfefferspray mit ausgestreckten Armen auf sie richtet.

     im Laufe des Tages nimmt die Polizei 19 Personen fest – neben den Mitgliedern des Schlägertrupps auch den Chef des Unternehmens, Lukasz Mazur. Ihnen wird nun unter anderem schwerer Landfriedensbruch, Nötigung, Bedrohung, versuchte gefährliche Körperverletzung und Störung einer Versammlung vorgeworfen. Schon am Samstag wurden die 19 Männer wieder aus dem Gewahrsam entlassen. – Die Kolleg:innen setzen derweil ihren Streik fort.

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