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Sonntag, April 14, 2024
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    Rechte Schüler:innen in Brandenburg: Lehrer:innen rufen Staat zu Hilfe

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    Nach wiederholten Problemen mit faschistischen Schüler:innen und Eltern haben sich Lehrkräfte einer Brandenburger Schule mit einem Brief an die Öffentlichkeit gewandt.

    Lehrkräfte im Landkreis Spree-Neiße, der die Stadt Cottbus umschließt, haben ihre Sorgen mit einem Brief in die Bevölkerung getragen: „Wir wenden uns an die Öffentlichkeit, da wir in unserem Arbeitsalltag als Schulpersonal an einer Schule im Spree-Neiße-Kreis täglich mit Rechtsextremismus, Sexismus und Homophobie konfrontiert werden und nicht mehr länger den Mund halten wollen“, heißt es in dem Schreiben.

    In ihrem „Brandbrief“ zeichnen die Lehrkräfte, die das Schreiben nicht namentlich unterschrieben haben, ein dunkles Bild vom Alltag an ihrer Schule. Beispielhaft nennt die Lehrerschaft unter anderem die Verbreitung von faschistischen Symbolen, Schriften und Musik, außerdem Gewalt an der Schule. Schulmobiliar werde mit Hakenkreuzen beschmiert, im Unterricht rechte Musik gehört; in den Schulfluren würden entsprechende Parolen gerufen und werde sich mit dem Hitler-Gruß begrüßt.

    Es herrsche ein Gefühl der Machtlosigkeit und des erzwungenen Schweigens. Lehrkräfte und Schüler:innen, die gegen rechte Mitschüler:innen und ihre Elternhäuser vorgehen, fürchten um ihre Sicherheit. Migrantische und antifaschistisch eingestellte Schüler:innen erleben Ausgrenzung, Mobbing und Gewaltandrohungen.

    Aber auch die Unterstützung fehlt: „Wir erleben eine Mauer des Schweigens“, schreiben die Lehrer:innen. Bei der Bekämpfung der rechten Strukturen würde es an Beistand fehlen, sowohl von Seiten der Schulleitungen und Schulämter als auch aus Elternschaft und Kollegium.

    Das Bildungsministerium sei seit Veröffentlichung des Briefs bereits in Kontakt mit der Schulleitung und versuche zu klären, was vorgefallen ist. Der designierte Brandenburger Bildungsminister Steffen Freiberg nannte die Berichte schockierend.

    Die Lehrkräfte fordern in ihrem Brief die Landespolitik auf, mehr Sozialarbeiter:innen an Schulen einzustellen, mehr „demokratiefreundliche“ Projekte zu fördern, ein niedrigschwelligeres Fortbildungsangebot für Lehrkräfte zu ermöglichen und eine Null-Toleranz-Politik gegenüber “Rechtsextremismus”, Homophobie und Sexismus zu zeigen.

    Auch der Polizei liegt der Brief vor. Die Kriminalpolizei teilte über ihren Pressesprecher mit, dass sie bereits zu möglicherweise strafrechtlich relevanten Sachverhalten ermittle.

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