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Sonntag, April 14, 2024
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    Das war der revolutionäre 1. Mai in Deutschland

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    Auch in diesem Jahr waren wieder tausende Menschen am 1. Mai auf der Straße, um in klassenkämpferischen Blöcken und bei revolutionären Demonstrationen die Traditionen dieses Kampftags aufleben zu lassen. 

    Demonstrationen am Vortag

    Auch in diesem Jahr fanden bereits am Tag vor dem 1. Mai Demonstrationen statt, die diesen einleiteten.

    In Berlin hatte zum Beispiel die linke Stadtteilorganisation “Hände weg vom Wedding” zur alljährlichen Kiez-Demonstration aufgerufen. Dieses Jahr stand sie unter dem Motto „Frieden statt Kapitalismus! Wettrüsten stoppen und Armut beenden!“. In zahlreichen Reden wurden Probleme im Viertel oder im Betrieb thematisiert, aber auch der Zusammenhang zum Krieg wurde hergestellt. Hierbei richtete sich die Demonstration überwiegend gegen Russlands Überfall auf die Ukraine wie auch gegen die NATO.

    In Dessau hatte die “Offensive Jugend Dessau” erneut zu einer Vortagsdemo unter dem Motto „Die Zukunft liegt in unserer Hand! Für die neue Gesellschaft!“ aufgerufen. Die Demonstration wurde zu Beginn von der Polizei und etwa 30 Faschisten des “III. Wegs” aufgehalten, welche auch später weiter provozierten. Die Demonstration konnte dennoch durchgeführt werden.

    In Duisburg fand in diesem Jahr erneut eine revolutionäre Vorabend-Demonstration statt, an der sich ungefähr 200 Menschen beteiligten. Aufgerufen hatte ein Bündnis aus verschiedenen revolutionären Organisationen. Die Demonstration vertrat einen klaren Klassenstandpunkt, bei dem der Sozialismus und die Revolution als Alternative betont wurden.

    Beteiligung an DGB-Demonstrationen

    In den aktuellen Tarifverhandlungen handeln die DGB-Gewerkschaften eine Reallohnsenkung nach der nächsten aus. Deshalb haben viele klassenkämpferische und revolutionäre Organisationen auch in diesem Jahr zwar an den DGB-Demonstrationen teilgenommen, aber einen unabhängigen Standpunkt vertreten.

    In Berlin gab es auch in diesem Jahr den gut besuchten klassenkämpferischen Block. An diesem nahm unter anderem die “Föderation Klassenkämpferischer Organisationen” (FKO) teil und verteilte Flugblätter, in denen die Notwendigkeit, sich als Arbeiter:innenklasse selbst zu organisieren, hervorgehoben wurde.

    Auch in Essen organisierte die FKO einen klassenkämpferischen Block, der gegen die Burgfriedenspolitik und die Militarisierung auftrat.

    In Frankfurt wurde bei der Demonstration des DGB an der Bühne ein Transparent mit der Aufschrift “Reallohnverluste – nicht mit uns!” enthüllt, das die Unzufriedenheit mit der Politik der “gelben” Gewerkschaften ausdrückte. Außerdem nahme auch hier ein antikapitalistischer und revolutionärer Block teil.

    In Freiburg beteiligten sich etwa 100 Menschen an der Demonstration des DGB. Verschiedene antikapitalistische Organisationen nahmen mit eigenen Abschnitten an der Demo teil. So zum Beispiel der “Kommunistische Aufbau” und die Föderation Klassenkämpferischer Organisationen, die einen internationalistischen Auftritt organisierten. Anders als in vorherigen Jahren ließen die Gewerkschaften in diesem Jahr keine Reden anderer Organisationen zu.

    In Hamburg hatte ein Bündnis aus verschiedenen revolutionären Kräften zu einem internationalistischen Block auf der DGB-Demonstration aufgerufen.

    In Köln nahm ebenfalls ein revolutionärer Block an der DGB-Demonstration teil, der mit einem eigenen Lautsprecher seine klassenkämpferische Position vertrat und den Sozialismus als Ausweg aus Krieg und Krise in Parolen und Reden benannte. Außerdem wurde Solidarität mit den kürzlich verhafteten Revolutionär:innen der Sozialistischen Partei der Unterdrückten (ESP) aus der Türkei/Nordkurdistan bekundet.

    Auch in München nahm ebenfalls ein klassenkämpferischer Block an der Demonstration teil. Dieser war zuvor im Zuge der Kampagne “Gegen Aufrüstung und Krieg” organisiert worden, an der sich revolutionäre Aktivist:innen, gewerkschaftlich Aktive und Andere beteiligten.

    Auch in Wuppertal gab es eine klassenkämpferische Beteiligung an der DGB-Aktion.

    In Stuttgart und Waiblingen wurden die antikapitalistischen Blöcke ebenfalls bei den traditionellen Demonstrationen des DGB zum 1. Mai organisiert. In Stuttgart lief die Polizei im Spalier neben diesem Block einher und hielt ihn wegen des auf Gewerkschaftsdemos üblichen Einsatz von Rauchtöpfen sowie einer Papierwand mit Symbolen des kapitalistischen Systems, die die Demonstrierenden einrennen wollten, eine Dreiviertelstunde fest.

    Revolutionäre Demonstrationen

    In Berlin nahmen 20.000 Menschen an der traditionellen revolutionären Abenddemonstration in Kreuzberg und Neukölln teil. An der Demonstration beteiligte sich ein revolutionärer Frontblock, der von revolutionären, kommunistischen und sozialistischen Organisationen geprägt war. Außerdem nahmen auch in diesem Jahr anarchistische und autonome Kräfte an der Demonstration teil. In Redebeiträgen der “KGÖ” (türkisch: Komünist Gençlik Örgütü), des Kommunistischen Aufbaus und des “Bundes der Kommunist:innen” wurde die Notwendigkeit betont, sich für den revolutionären Kampf zu organisieren. Auch der “Rote Aufbau Hamburg” war mit einem Grußwort präsent.

    Die Organisator:innen lösten die Demonstration aus Sorge vor Eskalation vorzeitig auf. Während sich der Frontblock auflöste, blieben Demonstrierende des Kommunistischen Aufbaus, der Organisationen “Young Struggle” und “Zora” sowie der Kommunistischen Jugendorganisation KGÖ vor Journalist:innen und der Polizei stehen und rief Parolen.
    Die Polizei riegelte das Gebiet später ab und es kam bis in die späten Abendstunden zu Scharmützeln.

    Auch in Frankfurt am Main fand am Abend wieder eine revolutionäre Demonstration statt, an der sich ebenfalls sozialistische und kommunistische Kräfte sowie ein anarchistischer Block beteiligten. In beiden Blöcken wurde Pyrotechnik gezündet. Die Demonstration positionierte sich gegen die kriegführenden kapitalistischen Länder und für eine revolutionäre Alternative. Redebeiträge wurden unter anderem von “Aurora Räteaufbau” und dem Kommunistischen Aufbau gehalten.

    In Leipzig beteiligten sich etwa 2.500 Menschen an einer revolutionären Demonstration am Nachmittag, die von einem breiten antikapitalistischen Bündnis organisiert wurde. Damit war es die größte Demonstration am 1. Mai seit Langem. Nach der Aktion fand noch ein Parkfest statt.

    In Magdeburg nahmen 150 Menschen an einer revolutionären Demonstration unter dem Motto “Frieden, Freiheit, Sozialismus – Gegen die Diktatur der Banken und Konzerne” teil. Diese wurde gegen die Schikane der Polizei durchgesetzt.

    In München nahmen 1.500 Menschen an der revolutionären Demonstration teil, die sich insbesondere gegen die imperialistischen Staaten, ihre Regierungschefs und den Krieg positionierte.

    2.500 Menschen beteiligten sich in Nürnberg unter dem Motto “Das Neue erkämpfen! Schluss mit Krise, Krieg und Kapitalismus – Heraus zum 1. Mai!” an der revolutionären Demonstration. Insbesondere die Aufrüstung Deutschlands wurde in Redebeiträgen kritisiert. Im Anschluss an die Demonstration fand im Stadtteil Gostenhof ein internationalistisches Stadtteilfest statt.

    In Stuttgart wurde eine eine eigenständige revolutionäre Demonstration mit 700 Teilnehmer:innen mehrfach von der Polizei angehalten und schikaniert.

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