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Dienstag, April 23, 2024
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    Kinder- und Jugendärzte: „Wir werden wieder in Versorgungsnot geraten.“

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    Viele Medikamente sind aktuell nicht verfügbar oder nur sehr schwer zu bekommen. Das trifft besonders auf Medikamente für Kinder und Jugendliche zu. Nun warnen Expert:innen, dass der Mangel sich weiter zuspitzen könnte. Eine erhebliche Preissteigerung bei Medikamenten könnte die Folge sein.

    Im Herbst drohe ein gravierender Mangel an wichtigen Medikamenten, warnen Kinderärzt:innen. Besonders betroffen sind Antibiotika, die zur Behandlung von Infektionen bei Kindern dringend benötigt werden. Die Ursachen für den Mangel sind vielfältig: es sind unter anderem Lieferknappheit bei den Hersteller:innen und Engpässe in der Logistik aufgrund der COVID-19-Pandemie.

    Diese Entwicklungen haben bereits zu einem Anstieg der Arzneimittelpreise geführt, der vor allem für Menschen mit niedrigem Einkommen schwer zu verkraften ist.

    Nun wendet sich der Präsident des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte, Thomas Fischbach, an die Öffentlichkeit. In einem Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung sagte er: „Wir behandeln schon jetzt fernab der Leitlinien, und der nächste Herbst steht vor der Tür. Wir werden wieder in eine Versorgungsnot geraten, die noch schlimmer werden könnte als zuletzt.“ Unter anderem fehle es an Fieber- und Schmerzmedikamenten für Kinder. Auch Antibiotika seien derzeit Mangelware.

    Fischbach unterzeichnete deshalb mit einigen Kinderärzt:innen aus dem deutschsprachigen Raum einen offenen Brief an die Gesundheitsministerien der Länder. In dem Brief heißt es unter anderem: „Die Gesundheit unserer Kinder und Jugendlichen ist durch den Medikamentenmangel europaweit gefährdet. Eine schnelle, zuverlässige und dauerhafte Lösung ist dringend erforderlich!“

    Regelungen aufweichen, Preise erhöhen als Lösung?

    In Nordrhein-Westfalen und Bayern werden aktuell die Regelungen des Arzneimittelgesetzes aufgeweicht, um mit den Lieferengpässen umzugehen. Die Wurzel des Problems ist hingegen, dass die großen Pharmazieunternehmen schlichtweg kein Interesse am deutschen Markt haben, da sie in anderen Ländern höhere Profite erwarten. Die gesetzlich vergleichsweise niedrigen Arzneimittelpreise seien nicht attraktiv genug für die Konzerne.

    In dieser Zwickmühle wird nun in verschiedenen Bundesländern eine weitergehende Aufweichung des Arzneimittelgesetzes diskutiert. Auch sollen die Preise angehoben werden. In Zeiten von allgemeiner Preissteigerung und Inflation könnte dies zu einer erdrückenden Last für Arbeiter:innen führen. Gerade Familien mit Kindern könnten diese Preissteigerungen treffen.

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