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Sonntag, Mai 19, 2024
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    „Mach’, was wirklich zählt!“ – anstatt sterben und töten für deutsche Konzerninteressen

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    Die Bundeswehr versucht schon seit Jahren, einen Imagewechsel zu vollziehen und vor allem bei der Jugend ideologischen Einfluss zu nehmen. Mit der neuen Werbekampagne „Was zählt“ wechselt jetzt auch der angeschlagene Tonfall hin zur aktiven Kriegsvorbereitung. – Ein Kommentar von Phillipp Nazarenko

    Bei der aktuellen Kampagne, welche die Bundeswehr zusammen mit der Werbeagentur Castenow erarbeitet hat, handelt es sich nicht um das erste Image-Projekt der letzten Jahre:

    2016 versuchte die Bundeswehr ihre Außenwirkung, besonders im Internet, mit der Web-Serie „Die Rekruten“ zu steigern und junge Menschen für eine Karriere in der Armee zu interessieren. In verschiedenen Teilbereichen wurden junge Soldat:innen während ihrer Ausbildung begleitet. Stets sichtbar war, dass man sich dabei Mühe gab, den Anfänger:innen die Identifikation mit den gezeigten Jungsoldat:innen zu vereinfachen.

    Das Töten oder getötet werden, die Vernichtung, das Elend und die Gewalt in den Ländern, die von der Bundeswehr besetzt waren oder noch sind, wurden schon damals nicht behandelt.

    Offenbar sind diese Grundsituationen des Militärs nur schlecht geeignet, neue Rekrut:innen anzuziehen. Auch in dem neuen Werbevideo finden sich keine Hinweise darauf, worin solch ein Krieg tatsächlich besteht, was die Erlebnisse für die einzelnen Soldat:innen bedeuten, geschweige denn, welche politischen Hintergründe die aktuellen Weltkriegsvorbereitungen haben.

    „Was zählt, wenn wir wieder Stärke zeigen müssen?“

    So titelt das neue Intro-Video der Kampagne – unterlegt mit episch-düsterer Musik, während junge Soldat:innen kampfbereit und ernst in die Ferne schauen. „Wenn die Welt um uns wieder rauer wird?“, „Wenn Sicherheit plötzlich wieder das Thema ist?“, „Wenn wir über den Wolken Grenzen aufzeigen müssen?“ und „ Was zählt, wenn unsere Freiheit auf dem Spiel steht?“ – so lauten die Fragen, die den Zuschauer:innen gestellt werden.

    Glücklicherweise brauchen sich diese nicht lange den Kopf darüber zu zerbrechen, was eine möglichst stumpfe Antwort auf diese Suggestivfragen sein könnte: „Deutschland braucht eine starke Bundeswehr. Arbeite mit uns daran!“

    Die Message ist klar: Wer „Deutschlands Freiheit und Sicherheit“ verteidigen möchte (gegen wen eigentlich?), soll die Bundeswehr unterstützen, am besten sogar beruflich. Im Kern unterscheidet sich diese militaristische Propaganda nicht sehr von dem, was wir sowieso schon gewohnt sind.

    Dass der deutsche Kapitalismus legitim ist und die Bundeswehr sein wichtigstes Werkzeug für die Durchsetzung seiner Interessen, gehört weder angezweifelt noch kritisiert. Fragen danach, wann Deutschland denn je angegriffen worden sei, und ob es sich bei der BRD nicht viel eher um einen aggressiven imperialistischen Angreifer handeln könnte, werden nicht aufgeworfen.

    Auch, ob es nicht besser gewesen wäre, wenn Deutschland seine „Grenzen aufgezeigt“ worden wären, beispielsweise beim Angriff auf Jugoslawien, beim Einsatz in Afghanistan oder bei dem geplanten Vordringen der deutschen Marine ins ostchinesische Meer, wird logischerweise nicht thematisiert.

    Dass die deutschen Monopolkonzerne in ihrem Profitstreben und ihren Versuchen, die Konkurrenz auszustechen, erheblichen Anteil daran haben, dass „die Welt um uns herum wieder rauer wird“, passt natürlich gar nicht erst in den Horizont des Propagandafilms.

    Und natürlich darf die vielbeschworene „Freiheit“ nicht fehlen. – Ein ideologischer Kampfbegriff, hinter dem sich bei genauerer Untersuchung wenig verbirgt und der so ausgelegt werden kann, wie es einem gerade passt: So ist Deutschland ein Verteidiger der Freiheit, wenn es Waffen nach Saudi-Arabien, Israel oder in die Ukraine schickt. Es ist dann wohl auch diese schöne Freiheit, die gerade Lebensmittel- und Energiepreise bis ins Ungewisse steigen lässt und die uns nun wieder mit der Wehrpflicht droht.

    Die Jugend steht in dieser ideologischen Großoffensive der Bundeswehr natürlich im Fokus, da aus ihr das neue Kanonenfutter für den kommenden Krieg im Osten rekrutiert werden soll. Dass keiner von uns, weder Jung noch Alt, irgendein Interesse daran hat, für die Profitinteressen der deutschen Monopolkonzerne und ihres Staats zu sterben, geschweige denn unsere Brüder und Schwestern in anderen Ländern zu ermorden, war allerdings auch schon immer richtig und wird auch richtig bleiben.

    Da die Bundeswehr mit den neuen Rekrutierungskampagnen auf die deutlich gesunkenen Anwerbe-Zahlen reagiert, besteht Grund zur Hoffnung, dass sich ein großer Teil der Jugend nicht mehr widerstandslos zu Kanonenfutter machen lassen will und wird.

    • Sächsischer Perspektiveautor seit 2022 mit slawisch-jüdischem Migrationshintergrund. Geopolitik, deutsche Geschichte und der palästinensische Befreiungskampf Schwerpunkte, der Mops das Lieblingstier.

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