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Samstag, Mai 25, 2024
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    Wie Nestlé an der Regenwaldzerstörung für Anti-Aging verdient

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    Der Lebensmittelkonzern Nestlé verkauft seit einigen Jahren das Nahrungsergänzungsmittel namens „Vital Proteins“. Es soll helfen, Falten im Gesicht zu bekämpfen und den Alterungsprozess des Körpers angeblich hemmen. Doch trägt es gleichzeitig zur massiven Zerstörung des Amazonas-Regenwalds sowie zur Gewalt gegenüber indigenen Schutzgebieten bei.

    Der Hauptbestandteil des Beauty-Produkts ist Kollagen, ein Protein, das den natürlichen Alterungsprozess hemmen soll. Die tatsächliche Wirkung bleibt allerdings umstritten. Intensive Werbekampagnen und der zunehmende Wunsch, dem natürlichen Alterungsprozess etwas entgegenzuwirken, ließen die Kollagen-Branche im Jahr 2022 auf ca. 4 Milliarden Dollar Umsatz ansteigen. Kollagen wird größtenteils aus Rinderhaut hergestellt.

    Kollagenpulver aus dem Amazonasgebiet

    Eine internationale Recherche des britischen “Bureau of Investigative Journalism” (en-GB) konnte die Herkunft des verwendeten Kollagenpulvers in „Vital Proteins“ teilweise bis zu brasilianischen Rinderfarmen zurückverfolgen, die für 2.600 Quadratkilometer illegaler Rodungen von Regenwald und das Eindringen in indigene Schutzgebiete direkt verantwortlich sind. In der Lieferkette des Rinder-Kollagens stießen die Reporter auch auf “Marfrig”, einen der größten Rindfleisch-Produzenten weltweit. Das Unternehmen steht in der Kritik, sowohl illegale Abholzungen als auch Gewalt gegen indigene Bevölkerungen zu billigen. Zulieferer von Marfrig wurden zudem wiederholt auf der Liste von Betrieben mit sklaverei-ähnlichen Arbeitsbedingungen aufgeführt.

    Nestlé hat keine Eile

    Die Recherche zeigt außerdem auf, dass das Vermarkten des Kollagenpulvers auf Grund eines löchrigen EU-Gesetzes zur Bekämpfung von Entwaldung nicht gesetzeswidrig ist, denn Nebenerzeugnisse der Viehwirtschaft werden nicht aufgeführt. Konfrontiert von der Recherche erklärte der Konzern zwar, dass die erhobenen Vorwürfe nicht mit Ihren Standards für eine verantwortungsvolle Beschaffung vereinbar seien. Große Eile, dies schleunigst zu ändern, hat das Unternehmen allerdings nicht: laut der Schweizer Koalition für Konzernverantwortung sollen erst im Jahr 2025 Nestlés Produkte abholzungsfrei sein. Im Amazonasgebiet werden somit wohl weiterhin Flächen gerodet und entwaldet werden, um unter anderem Nahrungsergänzungsmittel wie das Kollagen zu vermarkten.

    Nicht der erste Vorwurf an Nestlé

    Die neuerlichen Vorwürfe gegenüber Nestlé reihen sich ein in eine Anzahl von weiteren Missständen, die beklagt werden: Größer Kritikpunkt ist der Umgang des Konzerns mit Trinkwasser, doch auch der Einsatz von Palmöl oder das Marketing des Greenwashing werden dem Konzern vorgeworfen. Und schließlich ist auch das Verteilen von tödlicher Babynahrung im globalen Süden in den 70er und 80er Jahren noch nicht vergessen.

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