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Sonntag, Mai 26, 2024
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    Amazon-Arbeiter:innen blockieren Zug – ver.di-Kollege fordert “Shuttlebusse, die direkt zum Bremer Hauptbahnhof fahren”

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    Am Mittwoch haben Arbeiter:innen von Amazon in Achim bei Bremen einen Zug aufgehalten, damit sie und Kolleg:innen ihrer Schicht noch einsteigen konnten. Dafür stellten sie sich auf die Gleise. Nun ermittelt die Polizei, Amazon setzt den Werksschutz ein. Die Gewerkschaft ver.di weist darauf hin, dass das Problem der überfüllten Zuge und Bahnsteige seit Jahren bekannt sei. Es brauche Shuttlebusse vom Amazon-Werk direkt zum Bremer Hauptbahnhof.

    Am Donnerstag war der meistgelesenste Artikel auf Spiegel Online der Bericht über einen „Pendlermob“, der im niedersächsischen Achim einen Zug „gekapert“ habe. Die Dpa berichtet, dass eine kleine Gruppe den Lokführer aufgehalten habe, damit alle anderen Personen auf dem Bahnsteig noch einsteigen konnten. Die Bildzeitung titelt „Es ging um 23 Minuten“, da der nächste Zug 23 Minuten später gekommen wäre. Anschließend kam es zu einem Polizeieinsatz.

    Worum ging es wirklich?

    Am Mittwoch Nachmittag war gerade die Schicht im Werk des Logistik-Riesen Amazon in Achim bei Bremen zu Ende gegangen. Wie jeden Arbeitstag wurden hunderte der etwa 2.000 Mitarbeiter:innen in Shuttlebussen zum kleinen Bahnhof der Stadt Achim gebracht. Von dort aus wollten sie etwa nach Bremen zurück pendeln, wo die viele der Arbeiter:innen leben.

    Schon bei Beginn der Werkseröffnung vor etwa zwei Jahren war deutlich geworden, dass die Infrastruktur der Kleinstadt Achim mit 32.000-Einwohner:innen nicht ausreichen würde, um mit solch einer großen Anzahl an Menschen umzugehen. Im September 2021 berichtete der NDR dann: „Amazon-Schichtwechsel sorgt für zu volle Bahnsteige und Züge“.

    Doch die Landesnahverkehrsgesellschaft erklärte damals, es werde kurzfristig keine Abhilfe etwa durch zusätzliche oder längere Züge geben. Dies wäre frühestens 2022/2023 möglich. Doch offenbar wurde das Problem noch immer nicht gelöst.

    Amazon kürzte bei Bussen um Geld zu sparen

    Wie Nonni Morisse, ver.di-Zuständiger für Amazon in Niedersachsen und Bremen erklärte, habe sich die Lage noch weiter verschärft. So habe Amazon vor kurzem den Shuttlebus-Betreiber gewechselt, um Geld einzusparen. Dadurch führen zu bestimmten Zeiten kleinere Busse als vorher zum Achimer Bahnhof.

    Auch dies könne verursachen, dass einige Mitarbeiter:innen verspätet am Bahnhof ankommen und dann ihren Zug nach Bremen verpassen. Zudem existiere gerade eine Baustelle, welche die Busfahrt noch mehr verzögere.

    “Enormer Druck”

    All das erzeuge „einen enormen Druck auf die Mitarbeiter:innen und kann dazu führen, dass solche eher schlechten Ideen entstehen, die Gleise zu blockieren. Aus unserer Sicht spricht das eher für Verzweifelung als für kriminelle Energie. Wir hoffen, dass sich das Unternehmen mit der Kommune zusammen für eine langfristige Lösung einsetzt, die auch den Mitarbeitenden hilft.”

    Morisse hat auch konkrete Vorschläge: „Aus unserer Sicht löst sich das Problem nicht durch mehr Polizei und Überwachung, sondern durch eine bessere Taktung von Shuttlebussen zum Bahnhof und aus unserer Sicht am besten durch Shuttlebusse, die direkt von Amazon Achim zum Bremer Hauptbahnhof fahren – das würde den Achimer Bahnhof stark entlasten.“

    Amazon Achim gegen Organisierung

    Anstatt den Forderungen der Gewerkschaft nachzukommen, begleiteten am Donnerstag Amazon-Securities sowie am nächsten Tag die Bundespolizei die Arbeiter:innen zu ihrer Heimreise. Zudem erklärte Amazon, man werde „selbstverständlich mit den Behörden zusammenarbeiten“. Derweil wurden jedoch schon Strafanzeigen gegen Arbeiter:innen gestellt.

    Ver.di und Amazon liegen schon länger im Clinch: Im Mai 2022 hatten Mitarbeiter:innen einen Betriebsrat gegründet. Anfang 2023 wurde dann der Betriebsrat Rainer Reising von Amazon fristlos gekündigt. Er sitzt auch im Komitee von „Amazon Workers International“. Gegen die Kündigung hat die Gewerkschaft Klage eingereicht.

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