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Samstag, Mai 25, 2024
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    Textiler „Abfallkolonialismus” – wo landet die Überproduktion von H&M und Co.?

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    Was passiert mit unverkaufter Ware von EU-Modekonzernen wie H&M oder Adidas? Erste Veröffentlichungen einer neuen Studie zweier UNO-Organisationen zeigen am Beispiel des südamerikanischen Landes Chile, wie Unmengen an Textilabfällen dort landen. 

    2022 gingen Berge von Kleidung inmitten der Wüste in der Region Tarapaca um die Welt. Wie die Bilder belegen, landeten viele Kleidungstücke unbenutzt, also ungetragen und unverkauft als „Altkleidung“ auf Textildeponien in Chile. In den Textilien findet sich oft ein Cocktail aus zu Polyester oder Polyamid verarbeitetem Rohöl und Chemie, die sich entzünden können und ein großes gesundheitliches Risiko darstellen.

    Die verbliebenen Reste können zudem bei Regen durch Versickern in den Boden gelangen und so das Grundwasser verseuchen. Zudem überschwemmen die vielen Textilien regelrecht die lokale Textilindustrie und zerstören dabei deren eigene wirtschaftliche Grundlage in diesem Bereich. Die veröffentlichte Studie der gemeinnützigen österreichischen Bundesstiftung “COMÚN untersuchte nun die Ursachen der riesigen Müllberge.

    Kleidung aus Überproduktion von H&M und Adidas

    Chile liegt im Südwesten Südamerikas. Innerhalb kürzester Zeit stieg das Land (nach Pakistan, den Vereinigte Arabische Emiraten und Malaysia) zum viertgrößten Textilimporteur auf – uch weil es auf Grund eines Freihandelsabkommen dazu verpflichtet wurde. Im Jahr 2021 importierte Chile somit insgesamt 156 Millionen Kilogramm an Textilien, eine Steigerung um fast 200% gegenüber dem Vorjahr. Im Vergleich dazu fallen beispielsweise in Österreich jährlich 44 Millionen Kilo Altkleidung an. Rund die Hälfte wird ins Ausland exportiert. Deutschland ist mit 462 Millionen Kilo sogar der zweitgrößte Altkleidungsexporteur der ganzen Welt.

    Die Studie untersuchte auch die regionale Herkunft der ankommenden Kleidungen. Dabei handelte es sich um vorwiegend in Südostasien produzierte Textilien von europäischen Modekonzernen wie H&M oder Adidas. Nachweislich kam mit den Exporten jedoch nicht nur Altkleidung an, sondern auch ungetragene Ware.

    Wie COMÚN im Rahmen der Veröffentlichung der Ergebnisse erklärte, ist also eines gewiss: Der Kreislauf der Modestücke aus südostasiatischen Fast Fashion-Fabriken, angeboten von Shops in europäischen Städten, geht unkontrolliert am Ende auf Mülldeponien im globalen Süden. Die in der EU-ansässigen Textilunternehmen müssten demnach viel mehr in die Verantwortung für eine faire und umweltverträgliche Entsorgung genommen werden – sowohl was die Produktion als auch das Thema Altkleidung betrifft. Der Vorschlag der Stiftung hierzu wären ein starkes Lieferkettengesetz oder gar ein Vernichtungsverbot, beides könne positive Auswirkungen haben.

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