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Donnerstag, Mai 30, 2024
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    Mangelnder Hitzeschutz an Krankenhäusern und in sozialen Einrichtungen

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    Mit dem durch den Klimawandel bedingten Temperaturanstieg steigen auch die Zahlen der Hitzetoten. Wohlfahrtsverbände und die Deutsche Krankenhausgesellschaft fordern deshalb höhere Investitionen in Gebäudesanierungen. Arme Menschen sind besonders betroffen.

    Laut einer im Nature Magazin veröffentlichten Studie gab es schon im letzten Jahr über 8.000 Hitzetote in Deutschland. Die Studie untersuchte den Sommer 2022, den für Europa heißesten Sommer seit Beginn der Aufzeichnungen und einer Zahl von insgesamt über 61.000 Hitzetoten. Die Autor:innen der Studie kritisierten schon vor einem Jahr, dass der Temperaturanstieg bereits bekannt gewesen sei, die europäischen Regierungen jedoch keine angemessenen Hitzeschutzpläne aufgestellt oder Investitionen in das Gesundheitssystem getätigt hätten, um entsprechenden Gefahren zu begegnen. Durch Abwesenheit solcher Pläne und Investitionen musste laut den Autor:innen der Studie mit einem weiteren starken Anstieg der Hitzetoten in der Zukunft gerechnet werden.

    Ein Hitzeschutzplan des Bundesgesundheitsministeriums unter Karl Lauterbach (SPD) existiert zwar mittlerweile, legt seinem Wirken zufolge aber vor allem den Fokus auf Öffentlichkeitskampagnen. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) kritisiert den Plan deshalb als zunächst rein theoretisch und weist in einem Statement auf den Mangel an Investitionen durch Bund und Länder hin. Während die Bundesländer die Krankenhäuser bereits seit Jahrzehnten unterfinanzieren, verschärfe der ausbleibende Inflationsausgleich die finanzielle Lücke zusätzlich. Es benötige jedoch dringend Mittel, um Abhilfe gegen veraltete Heiztechnik und mangelhafte Fassadendämmung zu schaffen.

    Ältere Menschen sind von der Hitze besonders betroffen. Sie schwitzen weniger und haben ein geringeres Durstempfinden, was zu gefährlich hohen Körpertemperaturen führen kann. Damit wachsen die Aufgaben des Personals in Pflegeheimen: Die Patient:innen müssen regelmäßig gewaschen werden, verschwitzte Bettwäsche muss ausgetauscht, eine ausreichende Flüssigkeitsversorgung der Patient:innen muss regelmäßig streng überprüft werden und unter Umständen muss das Insulin von Diabetiker:innen aufgefüllt werden.
    Der Deutsche Paritätische Gesamtverband, ein Dachverband der Freien Wohlfahrtspflege Deutschland, beschreibt dies als eine Doppelbelastung für das Pflegepersonal, das sowohl die Hitzebelastung am eigenen Körper spüre, als gleichzeitig auch die Patient:innen vor ihr schützen müsse.

    Neben den ebenfalls geforderten Gebäudesanierungen seien auch Arbeitsschutzmaßnahmen in Hitzeperioden unerlässlich. Die Präsidentin des Deutschen Pflegerats, Christine Vogler, fordert darüber hinaus einen Zuschlag für die vielen zusätzlichen Aufgaben, die Pfleger:innen an Hitzetagen verrichten müssen.

    Das Bundesgesundheitsministerium jedoch sieht die Verantwortung für eine adäquate Personalausstattung bei den Pflegekassen und Verbänden der Pflegeeinrichtungen. Nötige Investitionen in einen höheren Personalschlüssel sei Sache der Pflegeeinrichtungen im Austausch mit den Ländern. Ebenfalls verweist das Ministerium auf das Programm „Klimaanpassungen in sozialen Einrichtungen“, das sich insbesondere an Pflegeheime richte. Der Paritätische Gesamtverband kritisiert die Fördersumme des Programms jedoch als viel zu niedrig. Die Länder wiederum sehen die Pflegeeinrichtungen selbst in der Pflicht.
    Die durch den Klimawandel verursachten Hitzewellen stellen also weiterhin eine Bedrohung für Patient:innen in Krankenhäusern und Pflegeheimen dar.

    Aber auch von Armut betroffene Menschen sind der Hitze mit erhöhtem Risiko ausgesetzt. Während wohnungslose Menschen oft keinerlei Schutz vor Sonne und Hitze finden können, leben auch ärmere Mieter:innen meist in kleineren, sich schneller aufheizenden Wohnungen. Es handelt sich zugleich oft um Wohnungen, die durchschnittlich schlechter beschattet sind. Maßnahmen wie Außenjalousien oder Klimaanlagen sind für viele Menschen nicht nur zu teuer, sondern für Mieter:innen zusätzlich von der gnädigen Zustimmung der Vermieter:innen abhängig. Sind nämlich solche Temperaturschutzmaßnahmen nicht schon installiert, droht oftmals eine saftige Mieterhöhung im Zuge von „Renovierungsmaßnahmen“.

     

     

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