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Montag, Mai 20, 2024
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    Verbot von „lottrigen“ Klamotten in der Schule gefordert – Sollte es eine einheitliche Kleiderordnung an Schulen geben?

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    Die Debatte um eine uniforme Kleiderordnung an französischen Schulen hat auch in Deutschland eine Diskussion darüber ausgelöst. Der Bundeselternrat fordert nun Vorschriften an Schulen, die “lottrige” oder “freizügige” Klamotten von Schüler:innen als „unangemessen“ einstufen und verbieten. Die immer wiederkehrenden Rufe nach solchen Vorschriften sind Scheindebatten, in denen reaktionäre Vorstellungen deutlich hervortreten. Ein Kommentar von Quentin Klaas.

    Das Verbot der “Abaya” – das traditionelle muslimische Gewand für Mädchen und Frauen – an französischen Schulen hat eine Debatte um Einheitskleidung in Frankreichs Schulen ausgelöst, die von Präsident Emanuel Macron angestoßen wurde. Angelehnt an diese Diskussion hat nun auch der deutsche Bundeselternrat vorgeschlagen, einen Konsens über einheitliche Vorschriften an deutschen Schulen zu beschließen, um „unangemessene, lottrige und freizügige“ Kleidung oder Outfits zu verbieten.

    Die Forderung nach einer Reglementierung von Schulkleidung ist nicht neu und wird schon lange und breit diskutiert. Mehrere Schulen haben bereits Vorschläge für Vorschriften dieser Art beschlossen. Die einzige Neuheit der gegenwärtigen Diskussion ist der Vorschlag nach bundeseinheitlichen Vorschriften.

    Kleiderordnungen unter diesen Verhältnissen bringen keinen Fortschritt

    Kleidervorschriften an Schulen zeigen immer wieder, dass vor allem Schülerinnen durch diese eingeschränkt werden. Immer wieder wird das Verbot von „zu freizügigen“ Outfits gefordert. Dies schließt eher typisch “männliche” Kleidung nicht ein, sondern betrifft vor allem bauchfreie Oberteile und kurze Hosen bei Frauen.

    Die Argumentation der Befürworter zeigt, wie tief patriarchale Denkmuster in unserer Gesellschaft verankert sind. Als Hauptargument wird angeführt, dass sich Schüler, aber auch Lehrer von „zu freizügigen“ Klamotten irritiert und abgelenkt fühlen könnten. Es zeigt sich, dass hier Frauen und Mädchen dafür verantwortlich gemacht werden sollen, dass sie in der Gesellschaft objektifiziert und sexualisiert werden.

    Forderungen nach Eingriffen und Vorschriften unseres kapitalistischen Staats bei die Kleiderwahl von Schüler:innen lösen keines der Probleme, die im Schulsystem herrschen. Unter den vorherrschenden Verhältnissen werden Kleiderordnungen keine fortschrittlichen sein, sondern nur patriarchale und kapitalistische Ideologie widerspiegeln.

    Auch die Argumentation, dass Ungleichheit durch Einheitskleidung zurückgedrängt werden könnte, verschiebt nur das Problem: dann wird eben nicht mit Markenklamotten, sondern mit den teuren Schuhen, dem Smartphone oder der Applewatch am Handgelenk der eigene Status klar gemacht.

    Wirkliche Probleme aufdecken statt Scheindebatten führen

    Die Realität an unseren Schulen zeigt vor allem die dringende Notwendigkeit auf, sich als Schüler:in gegen das kapitalistische System zu organisieren. Die Funktion der Schule als Institution des Kapitalismus, die die Schüler:innen in ihre Rolle als zukünftige Arbeiter:innen und damit in ein Leben von Ausbeutung und Unterdrückung hinein zwingen soll, ist das wirkliche Problem. Die Diskussion um Kleidung und damit verbundene sexistische Vorstellungen sind eine Scheindebatte, die die wirklichen Zustände verschleiert.

    Die Lösung ist nicht, die Schüler:innen weiter einzuschränken, sondern unsere Organisierung gegen dieses Klassen-System. Der schlechte Zustand von Schulgebäuden, die Propaganda des Militärs an Schulen und weitere Probleme werden erst enden, wenn wir beginnen, eine grundsätzlich andere Gesellschaft aufbauen.

    • Auszubildender im öffentlichen Dienst aus Hessen. Schreibt über Klassenkämpfe und innenpolitische Entwicklungen in der BRD. Er wurde über den Umweltaktivismus politisiert und schreibt seit 2023 für Perspektive.

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