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Dienstag, März 5, 2024
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    Immobilienkrise droht sich auszuweiten

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    Die Zahl der Firmenpleiten schießt in die Höhe. Betroffen sind vor allem Immobilienkonzerne und auch der Einzelhandel. Verschärfend kommt hinzu, dass sich aktuell verschiedene Krisen übereinander legen.

    Eine passende Wohnung zu finden, ist für viele Menschen heutzutage ein großes Problem. Besonders die Großstädte und Ballungsräume bereiten den Mieter:innen Kopfschmerzen. Bei Einzelnen bestand noch die Hoffnung, dass die Ausweitung des Wohnungsbaus das Problem vielleicht lindern könnte, doch nach den Zinserhöhungen und den Preissteigerungen scheint die Immobilienwirtschaft still zu stehen. Die Lage ist so verheerend, dass auch große Investoren und Mietkonzerne Probleme bekommen, ihre Schulden zu zahlen, was ein Vorzeichen für eine umfassende Wirtschaftskrise sein könnte.

    In ihrem halbjährlichen Finanzstabilitätsbericht berichtet die EZB von der heiklen Lage der Immobilienkonzerne. Ihre Verschuldung liege „nahe bei oder über dem Niveau vor der globalen Finanzkrise“, also beim Zehnfachen ihrer Gewinne.

    Nun wird befürchtet, dass es zu einem Dominoeffekt kommen könnte, wenn sich die ersten großen Immobilienfirmen nicht mehr neu verschulden können. Das würde zu einem erheblichen Wertverlust der Wohnungen und Grundstücke der Firmen führen, wodurch Kredite noch schwieriger zu bekommen wären. Damit würden das Umfallen der Immobilien-Riesen auch alle anderen mit herunterziehen.

    Auch der Bankensektor bliebe davon nicht verschont: so stecken etwa in der Eurozone allein rund 10% aller Bankkredite im Gewerbeimmobilienmarkt. Die EZB schätzt zwar das Risiko nicht hoch ein, dass es in naher Zukunft noch einmal zu einer Krise wie 2008/2009 kommen werde, jedoch wird es den hochverschuldeten Immobilienkonzernen und Banken, die stark in den Immobiliensektor investiert haben, an den Kragen gehen.

    Erst kürzlich veröffentlichte die strauchelnde Adler Group ihre jüngsten Geschäftszahlen: Aus ihnen geht hervor, dass der Immobilien-Riese allein in den ersten 9 Monaten des Jahres 2023 fast eine Milliarde Minus gemacht hat. Gleichzeitig musste der Konzern zahlreiche Wohnungen verkaufen und befindet sich weiterhin in einer ungewissen Situation. Von ehemals 70.000 Wohneinheiten hält die Adler Group nur noch 25.000.

    Schwierige Zeiten voraus

    Laut einer Studie des Kreditversicherers Allianz Trade war das gesamte Jahr 2023 von zahlreichen Firmenpleiten geprägt. Besonders hart habe es den Immobiliensektor und den Einzelhandel getroffen, aber auch die privatisierten Krankenhäuser seien gefährdet. Die Zahl der Großinsolvenzen in Deutschland steuert der Studie zufolge mit bereits 45 Fällen in den ersten neun Monaten 2023 auf das Rekordniveau von 2020 zu. Zum Vergleich: Im gleichen Zeitraum 2022 waren es mit 26 Großinsolvenzen gut ein Drittel weniger, und 2021 gab es nur 17 solcher Pleiten.

    Auch das Weihnachtsgeschäft lässt nur wenig hoffen. Der Chef der Allianz Trade für den deutschsprachigen Raum, Milo Bogaerts, äußerte dazu: „In diesem Jahr dürften deutlich weniger Geschenke unter dem Weihnachtsbaum landen.[…] Die Lebensmittelpreise sind trotz der geringeren Inflationsrate weiterhin hoch. Verbraucher sparen deshalb bei allen anderen Ausgaben: Sie gehen weniger aus, kaufen weniger Kleidung – und Weihnachtsgeschenke.“

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