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Donnerstag, Februar 22, 2024
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    Ukraine-Krieg: Kriegsmüdigkeit und Demonstrationen der Frauen für eine Demobilisierung

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    Der Ukraine-Krieg nähert sich seinem dritten Jahr. Für beide Seiten bleiben die Erfolge aus. Mittlerweile häufen sich die Proteste von Frauen, die ihre Ehemänner von der Front zurückholen wollen. Sowohl die Ukraine als auch Russland stellen sich gegen die Forderungen der Frauen.

    Schätzungsweise 100.000 Soldat:innen sind bisher seit dem russischen Einmarsch in die Ukraine im Februar 2022 getötet worden. Während der Krieg zu Beginn noch dynamischer war und zumindest Russland mit einem schnellen Sieg gerechnet hatte, entwickelte er sich bald zu einem zermürbenden Stellungskrieg. Nun protestieren die Frauen, deren Männer sich vor 18 Monaten für den Kriegsdienst gemeldet hatten.

    In Russland wurde die Rückkehr der Soldaten von Beginn an vom Befehl des Präsidenten der Russischen Föderation, Putin, abhängig gemacht. Dadurch gibt es keinen klaren Zeitraum, nach dem der Einsatz beendet sein würde. Die Hoffnung der russischen Soldat:innen und ihrer Familien wäre wenigstens eine Rotation der Truppen, wobei neue Truppen die Soldat:innen an der Front ablösen sollen. Dem entgegnete der Vorsitzende des parlamentarischen Verteidigungskomitees, Andrei Kartapolov, dass solch eine Rotation nie geplant gewesen sei und auch nicht stattfinden werde. „Sie werden zurückkehren, wenn die militärische Spezialoperation erfüllt ist“, so Kartapolov.

    Eine neue Mobilisierungswelle in Russland ist sehr unpopulär. Besonders mit Blick auf die anstehende Präsidentschaftswahl nächstes Jahr ist sie mit einem großen politischen Risiko verbunden. Gleichzeitig wächst der Protest gegen den Krieg. Laut Informationen des britischen Geheimdienstes soll Russland den Familien sogar Geld geboten haben, um sich von den Protesten fernzuhalten. Diese Behauptung konnte nicht überprüft werden, jedoch habe Russland den Familien der Soldat:innen bereits jetzt schon höhere Kompensationen gezahlt – unabhängig von ihrer Beteiligung an Protesten. Nun sollen die Kräfte der russischen Armee mit einem neuen Kontingent aufgestockt werden.

    In der Ukraine ist die Lage wesentlich verzwickter: Das Land ist deutlich kleiner als Russland und kann die militärische Konfrontation nicht so lange aufrechterhalten wie sein Nachbarstaat. Die Heimatfront bröckelt hier mindestens genauso stark. Auch hier gab es schon mehrere Proteste der Frauen, die ihre Männer zurückholen wollen. Die Frauen demonstrierten mit Transparenten wie „Mein Mann ist kein Gefangener“ und machten klar, dass die Moral am Boden ist. Manche hofften bei Kriegsbeginn auf die Möglichkeit der Demobilisierung nach 18 Monaten Kriegsdienst, so wie es 2015 noch möglich war. Diese Hoffnung gründete allerdings nicht auf den realen Tatsachen.

    Das ukrainische Militär hat auch wesentlich weniger Soldat:innen, die es an die Front schicken kann, als das russische. Somit ist eine Rotation der Truppen hier noch unwahrscheinlicher. Im Gegenteil soll gegen Kriegsflüchtige oder ausgereiste Männer im wehrfähigen Alter hart vorgegangen werden. Der Militärexperte Jewhen Dykyj bringt die Position der ukrainischen Regierung auf den Punkt: „ [Es] müssen die Schrauben angezogen werden. […] Kein Land der Welt hat jemals einen so großen Krieg nur mit Freiwilligen gewonnen“.

    Die Frauen lassen sich jedoch nicht entmutigen. Aber es ist unsicher, ob sie in Zukunft nicht die volle Härte des Gesetzes zu spüren bekommen werden und ihre Forderung nach einer Demobilisierung ihrer Männer sie in die Gefängnisse führen wird.

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