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Donnerstag, Februar 22, 2024
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    USA und Verbündete weiten militärische Aktivität im Roten Meer aus

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    Die USA schmieden eine Militärallianz, um im Roten Meer ihre wirtschaftlichen Interessen gegen die jemenitischen Huthis zu verteidigen. Doch auf lange Sicht wollen die USA keinen neuen Krieg in Westasien.

    Seit mehreren Wochen attackieren die Huthis vom Jemen aus Schiffe in der Bab al-Mandab-Meerstraße. Die Angriffe erfolgen laut den Huthis selbst als Reaktion auf die Angriffe des israelischen Militärs auf Gaza. Mit Drohnen und Raketen greift die jemenitische Miliz vor allem Frachter an.

    Besonders hohe Aufmerksamkeit erlangten die Huthis im November, als sie das Schiff „Galaxy Leader“ angriffen und unter ihre Kontrolle brachten. Seitdem gilt der gekaperte Autofrachter als Attraktion für jemenitische Tourist:innen und wird mehrmals täglich vom Festland aus angesteuert.

    Weniger Schiffe im Roten Meer bedeuten weniger Profite für die Kapitalist:innen

    Zwar sind die tatsächlichen Schäden durch die Angriffe überschaubar. Trotzdem meiden mitterweile große Reedereikonzerne wie Hapag-Lloyd, Maersk und MSC das Rote Meer und umfahren stattdessen den afrikanischen Kontinent. Diese Route ist jedoch deutlich länger und kostspieliger. Der Schiffsverkehr durch das Rote Meer ist laut einer Meldung der Bloomberg-Nachrichtenagentur bereits um 35 Prozent gesunken.

    Das Rote Meer ist dabei von strategischer Bedeutung für alle kapitalistischen Länder. Etwa zwölf Prozent des weltweiten Handels passieren den Suezkanal und das Rote Meer. Besonders jetzt, da sich die Energiepreise vor allem in Europa nach dem Ausbruch des Ukraine-Krieges gerade erst wieder erholen, bedeuten Schwierigkeiten im Roten Meer auch, dass Öl-Lieferungen wieder teurer werden.

    Koalition gegen die Huthis

    Zur Sicherung des Schiffsverkehrs im Roten Meer haben die USA nun eine Militärallianz gegründet. Unter dem Namen „Prosperity Guardian“ (zu deutsch: Wächter des Wohlstands) versammeln sich unter der Führung der US-Marine militärische Streitkräfte aus mehr als 20 Ländern, darunter Großbritannien, Frankreich, Italien, Spanien, die Niederlande, Norwegen, Kanada, Bahrain und die Seychellen.

    In Deutschland wird derzeit nach Aussage von Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Vorsitzender des Verteidgungssausschusses, geprüft, ob und wie sich deutsches Militär an Operationen im Roten Meer beteiligen wird. Deutsche Reedereien haben allerdings bereits den Schutz deutscher Marinekräfte eingefordert.

    Nachdem die USA bereits gegen 13 vermutete finanzielle Unterstützer:innen der Huthis Sanktionen verhängt haben, folgt nun auch eine militärische Antwort auf die Angriffe. Das Ziel sei vor allem, durch Raketenabwehrsysteme und Drohnen die sichere Fahrt der Schiffe durch die Meerstraße von Bab al-Mandab zu gewährleisten.

    Vorgeblich handelt es sich bis jetzt demnach vor allem um verteidigende Maßnahmen, ein Gegenangriff auf das jemenitische Festland wurde bislang von den US-Amerikaner:innen nicht unternommen und hätte womöglich in der neuen Allianz auch wenig Rückhalt.

    USA setzen weiter auf Deeskalation

    Auf lange Sicht wollen die Vereinigten Staaten ohnehin keinen neuen großen Krieg in Westasien beginnen. Nicht nur haben die Kriege in Afghanistan, Irak und Syrien die Region bei weitem nicht in dem Maße stabilisiert, wie es sich die USA erhofft haben. Die Kriege sind zudem teuer und lenken vom eigentlichen Fokus, der Vorbereitung auf den großen Krieg gegen China um den Einfluss in Südostasien, ab. Es ist daher durchaus möglich, dass auch weiterhin keine Raketen auf jemenitisches Festland abgeschossen werden.

    Obwohl die USA weiterhin der größte Unterstützer Israels sind, geht die Biden-Regierung seit dem 7. Oktober durchaus diplomatisch abgeklärt mit dem neuen Krieg in Westasien um. Das amerikanische Militär sichert dem israelischen Militär bei ihren Angriffen auf die Palästinenser:innen zwar Schützenhilfe zu, einem Stellvertreterkrieg mit dem Iran wurde aber schon frühzeitig aus dem Weg gegangen. Die defensive Haltung gegen die Angriffe der Huthis ist ebenfalls Teil dieser Ausrichtung, mit der sich die USA die eigenen Interessen mit so wenig eigenem Aufwand wie möglich sichern wollen.

    Auch die Huthis kalkulieren

    Die Huthis haben laut einem Bericht von al-Jazeera trotz der offenen Kriegsrhetorik ebenfalls kein Interesse an einer größeren Eskalation im Roten Meer. Vielmehr könnten die Huthis darauf bedacht sein, den Bogen nicht zu überspannen und genau die Waage zwischen Kriegsbegeisterung im eigenen Land und der Toleranz der USA zu halten. Auch der Iran, der die Huthis unterstützt, hat bereits gezeigt, dass derzeit kein Interesse an einem größeren Krieg mit den USA besteht.

    Die Huthis haben trotz der Angriffe Saudi-Arabiens während der letzten Jahre weitgehende Kontrolle über den Nordjemen. Die eigentliche jemenitische Regierung agiert nur noch aus dem Exil. Die Huthis kämpfen jedoch mit einigen innen- und außenpolitischen Problemen.

    Zum einen regte sich zuletzt in der jementischen Bevölkerung Protest gegen die Huthis und von ihnen angestrebte Reformen und wirtschaftliche Einschnitte. Zum anderen gibt es bis heute, trotz eines seit zwei Jahren andauernden Waffenstillstands, kein endgültiges Abkommen mit dem Nachbarn Saudi-Arabien und somit keine internationale Anerkennung der Huthi-Regierung. Mit den Angriffen auf Israel und nun auf Schiffe, die mit Israel assoziiert werden, könnten die Huthis jedoch wieder viel Zustimmung aus der Bevölkerung hinter sich versammeln.

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