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Freitag, Februar 23, 2024
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    „Eine klassenkämpferische Studierendenbewegung aufbauen“

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    Das Studierendenkollektiv ist eine klassenkämpferische Studierendenorganisation. Bereits im September hat sich die Organisation gegründet und seitdem erste Erfahrungen mit sozialistischer Hochschulpolitik gemacht. Wir haben uns mit Lana aus der Bundesweiten Koordination der Organisation getroffen, um darüber zu sprechen.

    Wollt ihr euch unseren Leser:innen noch einmal vorstellen?

    Ja, sehr gerne. Ich bin Lana und war vor der Gründung des Studierendenkollektivs im Frauenkollektiv, einer klassenkämpferischen Frauenorganisation, aktiv. Ich bin selbst Studentin und merke daher, dass das Leben als solches nicht dem Bild entspricht, das oft als Vorurteil über das Studi-Leben die Runde macht. Statt Feiern und Freizeit gibt es Prüfungsstress und ein leeres Konto. Natürlich geht es dabei nicht nur mir so, sondern das ist auch bei den meisten anderen Studierenden Alltag.

    Daher haben wir uns zusammengesetzt und überlegt, was es braucht, um diesen „Normalzustand“ zu verändern. Wir sind zu dem Schluss gekommen, dass es endlich eine Organisation braucht, die damit beginnt, eine klassenkämpferische Studierendenbewegung aufzubauen. So ist das Studierendenkollektiv, eine sozialistische Organisation, im September 2023 in Berlin und Leipzig entstanden.

    Seitdem ihr die Arbeit aufgenommen habt, sind nun schon 3 Monate vergangen. Was habt ihr in diesem Zeitraum schon erreicht?

    Ich denke, dass wir seitdem viel geschafft haben und uns ein kämpferischer Start ins Semester gelungen ist. Seit einiger Zeit finden sowohl in Berlin als auch in Leipzig jede Woche Offene Treffen statt, wo wir unsere Arbeit auswerten und kommende Aktionen planen. Ein niedrigschwelliger Einstieg und politischer Austausch und auch das Kennenlernen der Organisation stehen bei den offenen Angeboten im Fokus.

    In Leipzig konnten wir uns schnell mit anderen Hochschulgruppen vernetzen und gemeinsam Aktionen durchführen. Durch die sogenannten Kritischen Einführungswochen (KEW) an der Uni Leipzig haben wir auch unter den Studierenden an Bekanntheit gewonnen. An der FU Berlin können wir die aktive Teilnahme an der Hörsaalbesetzung in Solidarität mit Palästina als Erfolg verzeichnen.

    Insgesamt können wir sagen, dass wir es geschafft haben, uns schon in kurzer Zeit an den Unis, an denen wir arbeiten, als politische Kraft zu etablieren. Außerdem sind wir seit kurzem Teil der bundesweiten Föderation Klassenkämpferischer Organisationen (FKO).

    Das klingt nach einem kämpferischen Start in das Semester. Nun habt ihr vorher vor allem Schul- und Frauenarbeit gemacht, und von der Arbeit an Universitäten hattet ihr sicher erst nur grobe Vorstellungen. Wie bewertet ihr eure Entscheidung, an die Unis und Hochschulen zu gehen?

    Wir werten das als sehr wichtigen und richtigen Schritt aus. Die meisten Studierenden werden für ein Leben als Arbeiter:innen vorbereitet, und wenn wir davon sprechen, dass wir überall dort aktiv sein wollen, wo unsere Klasse lebt und arbeitet, dann müssen wir das auch in die Tat umsetzen.

    Auch in unserer Praxiserfahrung spiegelt sich wider, dass wir mit der Gründung des Studierendenkollektivs einen notwendigen Schritt gegangen sind. So können wir in Gesprächen mit Studierenden feststellen, dass es zum einen ein großes Interesse an den Themen gibt, die wir ansprechen und zum anderen eine große Unzufriedenheit mit den Bedingungen an den Universitäten und Hochschulen – von fehlenden Räumlichkeiten über die Lehrinhalte bis hin zur Kürzung des BAföG. Und genau da müssen wir ansetzen.

    Uns ist es wichtig, als sozialistische Organisation offen auf die Leute zu zugehen und genau das aufzugreifen, was sie konkret in ihrem Leben an der Uni und in der Gesellschaft erfahren. Häufig ist das, was sie berichten, ein Ausdruck davon, dass Unis eben kein politisch neutraler Raum sind. Im Gegenteil: Nicht zuletzt die einseitige Positionierung der deutschen Universitäten zu Gunsten der israelischen Armee haben gezeigt, dass auch an unseren Hochschulen das kapitalistische System, seine Katastrophen und seine Kriege gerechtfertigt werden.

    In euren Erklärungen seid ihr sehr konsequent und kritisiert eure Universitäten für ihre Statements zur Lage in Palästina/Israel oder wenn sie Politiker:innen der AfD einladen. Eckt ihr auch an? Und wie geht ihr damit um?

    Ja, das ist ganz richtig. Wie ich bereits gesagt habe, sind wir eine klassenkämpferische Organisation, die für den Sozialismus eintritt. Das bedeutet für uns, dass wir das Ziel verfolgen, eine breite Arbeiter:innenbewegung aufzubauen, um den Imperialismus und damit die Unterdrückung des Menschen durch den Menschen zu beenden. Stattdessen wollen wir ein System aufbauen, in dem wir weder Unterdrückung noch Ausbeutung erfahren. Wie du schon angedeutet hast ist klar, dass auch heftiger Gegenwind entstehen kann, den wir bereits erlebt haben.

    So gibt es an der Universität Leipzig den sogenannten Unvereinbarkeitsbeschluss, der die Zusammenarbeit mit bestimmten Gruppen, vor allem solchen, die offen antiimperialistisch oder sozialistisch auftreten, verhindern soll. Bei der Hörsaalbesetzung an der Freien Universität Berlin z.B. verständigte die Uni-Leitung die Polizei, die schließlich den Hörsaal räumte. In beiden Fällen soll verhindert werden, dass an den Hochschulen ein imperialistischer Krieg und die deutsche Außenpolitik verurteilt werden, die in ihren offiziellen Stellungnahmen unterstützt werden.

    Diese Repressionen sind vermutlich erst der Anfang, aber sie sind auch ein Abbild davon, dass die klassenkämpferische Bewegung immer mehr an Einfluss gewinnt und auch die Studierenden zu immer größeren Teilen offener für solche Ansätze werden.

    Jetzt habt ihr schon darüber berichtet, was ihr bisher geschafft habt. Was sind denn eure Pläne für die kommende Zeit?

    Nachdem wir mit unserer Werde Aktiv“-Kampagne unsere Arbeit gestartet haben, wollen wir nun einen größeren Fokus auf tagesaktuelle politische Themen und auf unsere Lebenssituation legen. Darunter fällt vor allem die aktuelle Haushaltsdebatte, die Einschnitte für uns alle bedeutet, auch uns Studierende.

    Gleichzeitig haben wir uns an den Aktionen für einen allgemeinen Tarifvertrag für studentische Beschäftigte (TV-Stud) beteiligt, auch wenn die DGB-Gewerkschaft ver.di damit bisher keinen Tarifvertrag aushandeln konnte oder wollte. Dabei hätte es ihn gerade beim Ausmaß der Preissteigerungen bei Lebensmitteln, Miete und Heizung umso mehr gebraucht. Deshalb sind wir uns in diesen bewegten Zeiten sicher: Nur wenn wir uns selbst organisieren, können wir etwas erreichen.

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