Angehörige befürchten erste Todesmeldungen. Regierung ignoriert Forderungen.

Seit dem 15. Februar befindet sich die erste Gruppe der politischen Gefangenen in der Türkei im Hungerstreik. Immer mehr Gefangene haben sich dem unbefristeten Hungerstreik der Gefangenen der kurdischen Freiheitsbewegung angeschlossen. Zur Zeit befinden sich 238 Gefangene aus über 25 Gefängnissen im Hungerstreik.

Die Hauptforderungen der Hungerstreikenden zielen auf die Aufhebung der Isolationshaft Abdullah Öcalans, dem Vorsitzenden der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), und aller weiteren auf der Gefängnisinsel Imrali Inhaftierten und weiterhin auf die Gewährleistung von Bedingungen, unter denen Friedensverhandlungen zwischen der türkischen Regierung und der PKK stattfinden können. Zudem fordern die Hungerstreikenden die Beendigung der massiven Menschenrechtsverstöße in den Gefängnissen und die Aufhebung der Ausgangssperren in den kurdischen Gebieten der Türkei.

Sowohl innerhalb, als auch außerhalb der Gefängnisse gibt es zahlreiche solidarische Hungerstreiks von politischen Gefangenen verschiedener linker Organisationen, kommunistischer Parteien und den Angehörigen der Gefangenen. Auch in Europa befinden sich seit dem 13. April 50 Mitglieder des „Demokratischen Gesellschaftskongress der KurdInnen in Europa“ (KCDK-E) im unbefristeten Hungerstreik. Zudem finden in zahlreichen europäischen Städten Solidaritätsaktionen und Hungerstreiks statt.

Türkische Menschenrechtsorganisationen beklagen Repressionen und unzureichende medizinische Betreuung der Hungerstreikenden. Die Hungerstreikenden leiden unter massiven Blutdruckschwankungen und Gleichgewichtsstörungen. Auch ein hoher Gewichtsverlust sei bei den Gefangenen zu verzeichnen. Um bleibende gesundheitliche Schäden zu minimieren, fordern Menschenrechtsaktivisten den Zugang der Hungerstreikenden zu Vitamin B1, Zucker, Salz und Karbonat.

Süleyman Duman, einer der hungerstreikenden Angehörigen, erklärt gegenüber der kurdischen Nachrichtenagentur ANF: „Jeden Moment könnte uns eine Todesmeldung aus dem Gefängnis erreichen. Deswegen rufen wir die Öffentlichkeit und die Verantwortlichen dazu auf, sich dem Hungerstreik anzunehmen. Es scheint, als verschließe die Regierung ihre Ohren gegenüber den Forderungen der Gefangenen. Sie scheinen ihren Vernichtungsfeldzug auch gegen die Gefangenen selbst umsetzen zu wollen. Wir werden aber keinen Schritt zurücktreten. Das sollte jeder wissen!“