Interview mit einer Augenzeugin der gestrigen spontanen Proteste gegen die Abschiebung eines Auszubildenden von Nürnberg nach Afghanistan.

Kannst du uns bitte schildern, was gestern genau an der Berufsschule 11 in Nürnberg passiert ist?

Sobald bekannt wurde, dass es zu der Abschiebung kommen soll, haben sich viele Auszubildende und SchülerInnen der Schule und benachbarter Schulen versammelt, um gegen diese Maßnahme zu protestieren und die Abschiebung aktiv zu verhindern. Bis zu 300 SchülerInnen sind so nach relativ kurzer Zeit zusammen gekommen. Nach und nach kamen immer mehr Polizeieinheiten zu der Schule und versammelten sich gegenüber der Menge der SchülerInnen.

War im Vorhinein  bekannt, dass es zu der Abschiebung kommen sollte?

Nein, es war nicht bekannt. Niemand wusste davon. Die Meldung von der geplanten Abschiebung kam sehr plötzlich. Wir waren alle schockiert und dann kam die Polizei, um den Freund aus dem Unterricht heraus zu verhaften und mitzunehmen.

Wie reagierten die anwesenden Polizeieinheiten auf den Protest der Auszubildenden?

Die Stimmung unter uns war gut und kämpferisch, doch die zusammengezogenen Polizisten zückten sofort ihre Schlagstöcke. Wir entschlossen uns, eine friedliche Sitzblockade zu machen, um zu verhindern, dass die Polizei den Auszubildenden abtransportieren konnte. Währenddessen wurde der Freund mit massiver Gewalt in ein Polizeiauto gebracht. Dabei wurde sehr viel auf ihn eingeprügelt. Klar haben wir darauf reagiert, wir wollten ihm ja helfen. Doch die Polizisten fingen an, auch auf uns einzuschlagen, auch auf diejenigen, die einfach nur auf dem Boden saßen.

Im Internet kursieren Videos, die einen massiven Gewalteinsatz der Polizei zeigen. Gab es Verletzte oder Festnahmen?

Sie setzten Pfefferspray und Hunde gegen uns ein. Sie haben auch willkürlich einzelne DemonstrantInnen mit Gewalt herausgegriffen und unter Einsatz von Schmerzgriffen verhaftet. Ich konnte selber vier solcher Festnahmen beobachten. Doch auch mit diesen Angriffen konnten sie den Widerstand der SchülerInnen nicht brechen. So dass die Polizei versuchte, über eine Wiese auszuweichen.  Als wir versuchten auch dort zu blockieren, wurden viele von uns zu Boden geworfen und ins Gesicht geschlagen. Mindestens ein Freund wurde über Nacht festgehalten und soll heute dem Haftrichter vorgeführt werden.

Am Abend gab es ja nochmal eine Demonstration am Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF). Wie geht es jetzt weiter?

Ja genau, am Abend haben wir nochmal eine Demonstration vor dem BAMF gemacht. Auch dort haben sich viele Jugendliche beteiligt und solidarisiert. Die Polizei hat auch hier versucht uns zu provozieren, aber man ist nicht darauf eingegangen. Für uns ist klar, dass der Widerstand gegen diese unmenschliche Abschiebepraxis weitergehen muss.