Mehrere Familien haben die Bundesrepublik und einzelne Bundesländer auf Schadensersatz verklagt.


Die Angehörigen der beiden NSU-Mordopfer Enver Simsek und Ismail Yasar, die beide in Nürnberg von den Faschisten des NSU ermordet wurden, haben Schadensersatzklage eingereicht. Bereits Anfang des Jahres habe die Familie Simsek am Landgericht Nürnberg die Klage gegen den gegen den Freistaat Bayern, den Freistaat Thüringen und die Bundesrepublik Deutschland eingereicht, berichtet die Deutsche Presse-Agentur (dpa). Ebenso hat die Familie Yasar Klage erhoben. Das Nürnberger Gericht bestätigt auf Anfrage von dpa, dass beide Klagen anhängig seien und die Familien auf 50.000 Euro Schadensersatz pro Familienmitglied klagten.

„Erst haben Nazis unser Leben zerstört, weil der Staat uns nicht schützen konnte oder wollte, und dann hat uns der Staat noch einmal verraten“, so der Sohn des ermordeten Enver Simsek gegenüber dpa. Die ermittelnde Polizei verdächtigte zunächst- über Jahre hinweg – die Familien der NSU-Mordopfer selbst, Verbindungen zu Drogengeschäften zu haben, ohne dass es Hinweise dafür gab. Der Ehefrau von Enver Simsek wurde zudem glaubhaft gemacht, dass ihr Mann ein Doppelleben mit einer Geliebten geführt habe. Die Akten im heutigen Münchener NSU-Prozess zeigen, dass diese Behauptung von den Polizisten frei erfunden wurde.

„Unsere Klage stützt sich auf die Erkenntnisse zahlreicher Untersuchungen, etwa von parlamentarischen Untersuchungsausschüssen und natürlich auch aus der Beweisaufnahme im NSU-Prozess,“ so der Rechtsanwalt Mehmet Daimagüler, der beide Familien vor Gericht vertritt. Die Familien werfen dem Staat vor, dass er die faschistischen Terroristen Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Beate Zschäpe im Jahr 1998 und im Jahr 2000 durchaus hätte verhaften lassen können. Außerdem habe der Staat mehrere hunderttausend Euro an V-Leute bezahlt, die mit diesem Geld die Terroristen unterstützt hätten.

Weitere Angehörige der NSU-Mordopfer haben bereits angekündigt, ebenfalls Klage gegen den deutschen Staat einzureichen.