Mit Drogen Superman oder Superwoman sein? – ein Kommentar von Lisa Alex.

Ich habe die Lebensweise von meinen Eltern gesehen. Für sie war es das Größte, acht Stunden am Tag in die Arbeit zu gehen, niemals krank zu sein, sondern beständig zu arbeiten. Ich habe mir gedacht, das kann doch nicht das ganze Leben sein. (Michael, 20 Jahre lang drogenabhängig.)

Genau so sieht aber der Alltag der meisten ArbeiterInnen aus. Acht Stunden am Tag arbeiten, fünf Tage die Woche, und das für einen Lohn, der immer häufiger nicht einmal zum Leben reicht. Auf der anderen Seite gibt es eine kleine Minderheit, die immer reicher und reicher wird. Dieser Reichtum wird von den Arbeiterinnen und Arbeitern geschaffen, aber sie selbst haben davon gar nichts. Stattdessen dürfen sie sich noch mit vielen weiteren Problemen rumschlagen. Zunehmende Belastung im Job, daraus folgende Krankheiten und immer die drohende Arbeitslosigkeit und Hartz-IV im Nacken. Vor allem für Frauen kommt noch die Doppelbelastung mit Haushalt und Kindererziehung hinzu. Nicht selten wird zu Drogen gegriffen, um dieser Realität stand zu halten oder aus ihr zu fliehen.

Was sind Drogen denn überhaupt? Drogen sind Stoffe, die die menschliche Psyche beeinflussen. Dabei spielt es erst mal keine Rolle, ob sie vom Staat verboten sind oder nicht. Also zählen tägliche Genussmittel wie Kaffee (Koffein), Tabak oder Alkohol, genauso dazu wie Schmerzmittel, Psychopharmaka und andere Medikamente, oder aber auch Cannabis, Speed, Ecstasy, Kokain, Heroin und viele mehr. Alle Drogen, egal ob legal oder illegal, machen süchtig und zerstören auf Dauer den Körper und die Psyche. Und sie können töten. Im letzten Jahr sind 1333 Menschen an Drogenkonsum gestorben. 9% mehr als im Vorjahr. Und das sind nur die Zahlen, für die in Deutschland illegalen Drogen. Rechnet man die durch Alkohol oder Tabak Getöteten hinzu, kommt man auf über 200.000 Tote im Jahr (!). Trotzdem behaupten viele, dass sie ihren Konsum „im Griff haben“ oder denken, dass ihnen das schon nicht passieren wird. Aber auch wenn es nicht tödlich endet, gibt es dennoch viele andere Auswirkungen: Organschäden, Herz-Rhythmus-Störungen, Angstzustände oder Psychosen. Die meisten Menschen wissen das. Was bringt sie dazu, sich trotzdem diesen Risiken auszusetzen?

Wie schon erwähnt, wird aus zwei Gründen zu Drogen gegriffen. Entweder um der Realität stand zu halten oder um sie zu vergessen. Besonders Jugendliche greifen zu Drogen, die den Alltag und die Probleme in den Hintergrund treten lassen. Nach einer Woche Schulbank-Drücken wird am Wochenende gefeiert. Es wird gesoffen, gekifft oder es werden Pillen geschmissen. Die Probleme in der Schule und in der Familie werden verdrängt und die Perspektivlosigkeit ,was die Zukunft angeht, im Rausch ertränkt. Wer dann doch im Arbeitsalltag angekommen ist, hält sich oft mit Koffein über Wasser und zum Feierabend gibt’s zum Runterkommen ein Bier, oder auch zwei, drei, vier…

Die kapitalistische Gesellschaft erzählt den Menschen immer die gleiche Lüge: „Du kannst es schaffen, wenn du dich nur anstrengst“. Schon kleine Kinder stehen unter diesem Konkurrenzdruck, der sie im Endeffekt kaputt macht. Immer schneller, immer besser, immer höher. Um immer höhere Leistung zu bringen, kommen neben Koffein auch andere aufputschende Mittel wie Ritalin, Speed oder Koks zum Einsatz. Wer dem Konkurrenzdruck nicht standhält, entwickelt nicht selten Schlafstörungen oder psychische Probleme und nimmt Beruhigungsmittel, wie z.B. Benzodiazepine oder Antidepressiva.

Einige sehen den Konsum von illegalen Drogen auch als Akt der Rebellion. Die Gesetzesübertretung und die vermeintliche Freiheit, die bewusstseinsverändernde Drogen hervorrufen, lassen sie denken, dass sie sich schon damit gegen das System auflehnen. Jedoch spielt es den Kapitalisten eher in die Hände, wenn Jugendliche und ArbeiterInnen Drogen nehmen. Wenn die ArbeiterInnenklasse ihre Probleme mit dem Rausch betäubt, anstatt deren Ursachen anzugehen und gegen sie zu kämpfen, ist das für den Kapitalisten nur gut. Zum Teil wird das sogar gezielt genutzt, um den Widerstand der ArbeiterInnen zu brechen oder zu verhindern. Beispielsweise läßst man in ArbeiterInnenvierteln Dealern freie Hand oder schickt sie gezielt dorthin.
Die Probleme, die uns zu Drogen greifen lassen, verschwinden davon nicht. Der Rausch mag uns glauben lassen, dass sie damit erträglicher werden, aber genau das Gegenteil ist der Fall. Wir machen uns damit selbst kaputt und unsere Probleme bleiben bestehen oder werden schlimmer.

Anstatt uns zu berauschen, sollten wir lieber die Ursachen der Probleme unserer Klasse angehen. Denn wir haben eine Perspektive: eine Perspektive, in der wir nicht für den Reichtum Anderer unter beschissenen Bedingungen arbeiten müssen. Eine Perspektive, in der nicht eine Minderheit den ganzen Reichtum besitzt, sondern die Mehrheit darüber verfügt. Eine Perspektive, in der nicht Konkurrenz, sondern Solidarität die zwischenmenschlichen Beziehungen bestimmt. Diese Perspektive, den Sozialismus, können wir aber nur erreichen, wenn wir anfangen zu kämpfen.