Größtes Nazikonzert Deutschlands fand in Thüringen statt. Polizei lässt Straftaten zu.

Am Samstag, 15. Juli, haben sich mehr als 6000 Rechte aus ganz Europa im thüringischen Themar versammelt, um dort das wohl größte Neonazi-Konzert des Jahres zu bestreiten. Es waren ungefähr 1000 Polizisten aus Thüringen und mehreren anderen Bundesländern im Einsatz, um die Faschisten und GegendemonstrantInnen räumlich zu trennen. Auf Grund der deutlich höher als erwarteten Teilnehmerzahl musste der eingezäunte Konzertort zwischenzeitlich vergrößert werden.

Alle Teilnehmer des Konzertes wurden vor Betreten des Geländes von der Polizei durchsucht. Insgesamt gab es dabei 43 Strafanzeigen unter anderem wegen Körperverletzung, Verstößen gegen das Waffengesetz, wegen Bedrohung und Verwendens von verfassungswidrigen Symbolen. Von 440 Faschisten wurden die Personalien erfasst, drei weitere wurden in Gewahrsam genommen. Videoaufnahmen im Internet zeigen, wie hunderte Faschisten den verbotenen „Hitler-Gruß“ zeigten und dabei „Sieg Heil“ brüllten. Die Polizei schritt dabei jedoch nicht ein.

Um das Konzert als politische Kundgebung anzumelden, gab es eine ungewöhnlich lange Rednerliste, darunter der Holocaust-Leugner Günter Deckert (Ex-NPD), Sascha Krolzig (Die Rechte), Dieter Riefling (Ex-NPD), Jan Jaeschke (NPD), Matthias Fischer („Der dritte Weg“), Nadine Schenk („Wir lieben Meiningen“) und David Köckert („Thügida“). Die Versuche, die Veranstaltung als Konzert und nicht als politische Versammlung einzuordnen, scheiterten: zwei Gerichtsentscheidungen bestätigten den Versammlungscharakter des Konzerts. So wurde ein mögliches Verbot durch die Stadt Themar umgangen. Der thüringische Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) schätzt den vor Ort gemachten Umsatz auf rund 300-400.000 Euro ein.

In der 3000-Einwohner-Stadt Themar waren bis zu 2000 GegendemonstrantInnen erwartet worden, stattdessen demonstrierten jedoch nur einige hundert Menschen gegen „Rechts“. Es kam zu keinem Aufeinandertreffen der Faschisten und AntifaschistInnen, ein Eingreifen der Polizei war nicht erforderlich, teilte die Landespolizei Thüringen mit.

Allein im Jahr 2016 gab es mehr als 50 Rechtsrock-Konzerte in Thüringen und auch für 2017 sind noch weitere angemeldet.