Ein großer Teil der Beschäftigten in Deutschland ist am Arbeitsplatz eher frustriert als motiviert.

Das geht aus einer vieldiskutierten Studie des Beratungsunternehmens „Gallup“ hervor. Demnach hätten 70 Prozent der deutschen ArbeitnehmerInnen nur eine „geringe emotionale Bindung“ an ihr Unternehmen und leisteten lediglich „Dienst nach Vorschrift“. 15 Prozent hätten sogar „innerlich bereits gekündigt“. Hochgerechnet auf die gesamte erwerbstätige Bevölkerung entspräche die letztgenannte Zahl mehr als fünf Millionen Beschäftigten.

Das Interessante daran: Zu ihrer Arbeit an sich hätten 77 Prozent der Angestellten eine positive Einstellung und würden „sogar dann weiterarbeiten, wenn sie nicht mehr auf das Geld angewiesen wären“. Daraus ergäbe sich jedoch „meist keine Verbundenheit mit dem Arbeitgeber“.

Einen wichtigen Grund für den Frust am Arbeitsplatz sehen die Autoren der Studie bei den Vorgesetzten: Nur etwa jede fünfte Arbeitskraft habe der Antwort zugestimmt, „die Führung, die ich bei der Arbeit erlebe, motiviert mich, hervorragende Arbeit zu leisten“. Ein etwa gleich großer Teil habe „wegen ihres direkten Vorgesetzten“ schon an Kündigung gedacht. Ein gutes Verhältnis zu den KollegInnen und zum direkten Vorgesetzten sei aber für eine hohe emotionale Bindung an den eigenen Arbeitsplatz ein Faktor, der „ausschlaggebender“ sei als etwa ein hohes Gehalt oder viele Urlaubstage. Ebenso wichtig seien „die Möglichkeit, das zu tun, was man wirklich gut kann“ sowie „eine sinnvolle, abwechslungsreiche Tätigkeit zu haben“.

Für die jährliche Studie seien 1400 zufällig ausgewählte Beschäftigte telefonisch zu ihren beruflichen Bedingungen befragt worden. Einen Hinweis darauf, welche tiefer liegenden wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Ursachen die als schlecht empfundene Führung am Arbeitsplatz bedingen – wie etwa Leistungsdruck, Ellbogen-Mentalität oder ähnliches – liefert Gallup nicht. Interessanterweise hätten jedoch 97 Prozent der befragten Chefs ausgesagt, dass sie sich selbst „für gute Führungskräfte“ hielten.