Polizeiführung bestätigt Folter an DemonstrantInnen nach zweiter Verurteilung durch Gerichtshof für Menschenrechte.

Am 20. Juli 2001 wurde der junge Aktivist Carlo Giuliani in Genua von der italienischen Polizei erschossen. Er beteiligte sich an den Protesten gegen den dort stattfindenden G8-Gipfel. Ebenfalls für großes Aufsehen sorgte im selben Zusammenhang der Überfall italienischer Polizeikräfte in der Nacht vom 21. Juli auf den 22. Juli auf die Diaz-Schule, in der sich hunderte, zum größten Teil schlafende Protestierende befanden. Bei diesem Angriff wurden fast alle Menschen brutal zusammengeschlagen und festgenommen. Viele berichteten im Nachhinein, dass sie sowohl während der Erstürmung der Schule, als auch in der Polizeihaft schwer misshandelt wurden.

Allein in der Kaserne Bolzaneto, nördlich von Genua, sollen damals bis zu 200 Menschen physisch wie psychisch gefoltert worden sein. In der Schule selbst wurden viele Menschen so schwer verletzt, dass sie direkt in die Notaufnahmen umliegender Krankenhäuser gebracht werden mussten. Am vergangenen Mittwoch hat die italienische Polizei offiziell eine Mitschuld an den Gewalttaten eingeräumt.

„Ich sage klar und deutlich, dass es Folter gab“, so der italienische Polizeichef Franco Gabrielli am Mittwoch der Tageszeitung La Repubblica. Gabrielli sprach weiter davon, dass das damalige Sicherheitskonzept „eine Katastrophe“ gewesen sei. Beim diesjährigen G7-Gipfel in Taormina auf Sizilien sei es gerade deshalb zu keinen Szenen wie in Hamburg gekommen, da die Polizei auf Prävention statt auf Repression gesetzt habe.

Seit Anfang Juli gilt Folter in Italien als Straftatbestand. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) hatte Italien für sein Vorgehen im Sommer Jahre 2001 vor einem Monat das zweite Mal verurteilt.