Europa meist nicht das eigentliche Ziel, aber die Lage der Fluchtländer drängt junge Flüchtlinge übers gefährliche Mittelmeer.

In den ersten sechs Monaten dieses Jahres sind mehr als 12.000 minderjährige Geflüchtete in Italien angekommen, 93 Prozent der Jugendlichen sind ohne Eltern oder Angehörige nach Europa geflohen. Eine nun vom Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) vorgestellte Studie hat sich mit den Fluchtgründen von Kindern und Jugendlichen beschäftigt.

Nur 46 Prozent der befragten Jugendlichen hatten demnach Europa als Ziel ihrer Flucht, als sie aufbrachen. 20 Prozent wollten nach Libyen oder Algerien, 12 Prozent gaben Nachbarländer ihrer Heimat an wie Mali oder Senegal und 10 Prozent hatten kein klares Ziel vor Augen. Der Grund, warum sie dann doch alle den gefährlichen Weg über das Mittelmeer wagten, war – wie die Jugendlichen sagten – die schlimme Situation in Libyen.

Fast die Hälfte berichtete von Entführungen und Lösegeldforderungen, jede/r Vierte berichtet von willkürlichen Verhaftungen und ohne Grund eingesperrt worden zu sein. Ein Beispiel für viele tragische Fluchtgeschichten ist die Mary´s (Name geändert), sie ist von Nigeria nach Italien geflohen, auf dem Weg wurde sie verschleppt, vergewaltigt, gefangen gehalten und zur Prostitution gezwungen. Ihre Erlebnisse berichtete sie UNICEF-MitarbeiterInnen in Italien.

Von den in Griechenland Ankommenden sind die meisten Jugendlichen mit ihren Eltern oder Angehörigen gemeinsam geflohen. Sie seien vor allem wegen Gewalt (31 Prozent), Problemen in der Familie und der schlechten wirtschaftlichen Lage (30 Prozent) aus ihren Ländern geflohen. Auch geben jeweils 18 Prozent an, dass fehlende Bildung und politische Verfolgung ein Grund gewesen seien.

Rund 48 Prozent der Befragten hatten die Hoffnung auf Arbeit, als sie flohen. 38 Prozent hatten den Wunsch nach besserer Bildung und 18 Prozent hofften auf Menschenrechte. Jugendliche, die in Nachbarländer fliehen wollten, suchten zu 44 Prozent Arbeit und zu 5 Prozent bessere Bildung.

Die Eltern der in Griechenland befragten Jugendlichen haben zu 30 Prozent angegeben, dass eine bessere Bildung der Hauptgrund für die Flucht war.

„Diejenigen, die Europa als Ziel hatten, wurden von der Aussicht auf weiterführende Bildung, Respekt für ihre Rechte und den Wunsch, im Leben weiter zu kommen, angetrieben. Allerdings sieht die Realität, wenn sie in Europa ankommen, leider ganz anders aus und ihre Erwartungen werden enttäuscht“, sagte Afshan Khan, eine Mitarbeiterin der UNICEF. Grund dafür seien v.a. die langen Asylverfahren in Italien und Griechenland, welche die Jugendlichen an ihren Zielen hinderten, ergänzt Afshan Khan.